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Entwurf für den Neubau: © Harry Güggel Studio / MHK
Innenansicht des Neubaus: © Harry Güggel Studio / MHK
Paul Balin – Papiertapete mit Imitation eines Granatapfelsamtes in Form applizierter Damastgewebe, Foto: Ute Brunzel

Wenn es um kulturelle Attraktionen und die Vielfalt einer Museumslandschaft geht, muss sich Kassel nicht vor Berlin, Dresden oder München verstecken. Nicht nur das Welterbe-Ensemble rund um Schloss und Bergpark Wilhelmshöhe, Löwenburg und Herkules, ist einzigartig; auch vom Fridericianum über die Neue Galerie, Ottoneum, Orangerie und die Grimmwelt bis zur Karlsaue bietet Kassel solitäre kultureller Stätten und Museen. Die „Museumslandschaft Hessen Kassel“ hat seit 1. Mai dieses Jahres offiziell einen neuen Namen und ein neues Erscheinungsbild. „Hessen Kassel Heritage – Museen, Schlösser, Parks“ steht – nicht unumstritten – nun für eine der größten Kunst- und Kultureinrichtungen in Deutschland. Ende Juni soll auch der Grundstein für den Neubau des Deutschen Tapetenmuseums am Brüder-Grimm-Platz gelegt werden – pünktlich zum 100-jährigen Bestehen des Vereins Deutsches Tapetenmuseum.

Das 1923 gegründete Museum ist der jüngste Spross in der Familie der Kasseler Museumslandschaft. Auf Initiative des Hamburger Tapetenhändlers und Geheimrats Gustav Iven und weiterer führender Tapetenhersteller und ‑händler entstand ein Museum, das einzigartig in Deutschland ist. Es beherbergt rund 23.000 Objekte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart – von der 500 Jahre alten Goldleder-Tapete über Velourstapeten des 17. Jahrhunderts, raumgreifende Panoramen des 19. Jahrhunderts bis hin zu Dessins der Bauhauszeit und Entwürfen der Gegenwart. Die Kollektion ist nicht nur für private Tapetenfans interessant: Auch Denkmalämter oder Schlösserverwaltungen erhalten hier Unterstützung, wenn es um Erkenntnisse über historische Tapeten und deren Restaurierung geht.

Vom damaligen Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann als „Beweis für die Lebenskraft des deutschen Volkes“ gerühmt und begrüßt, kam als Standort der Museumsgründung eigentlich nur Kassel in Frage. Hatte die Stadt auf diesem Gebiet doch Tradition: Bereits im Jahr 1791 nahm hier die erste und lange Zeit einzige deutsche Papiertapetenmanufaktur die Produktion auf und bestand fast 100 Jahre. Ihr Gründer, Johann Christian Arnold, gilt als Pionier der bedruckten Tapete. Aus eigener Herstellung, die sich ab 1815 im Haus Brüder Grimm-Platz 4 befand, belieferte er den landgräflichen Hof in Kassel sowie König Jérôme Bonaparte.

Derzeit ist die einmalige Tapetensammlung nur Online oder in Sonderausstellungen zugänglich. Deshalb finden die Feierlichkeiten anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Tapetenmuseums am 30. Juni im Anschluss an den „Tapeten-Gipfel“ des Verbands der Deutschen Tapetenindustrie (VDT e.V.) im Bergpark Wilhelmshöhe statt.


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