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© Patrick Goetelen

Ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl? Keineswegs. Nicht zufällig gilt es unter Designer/-innen als besondere Herausforderung, einen Stuhl zu gestalten. Wer sich anschauen möchte, wie verschieden Stühle gestaltet werden können, hat vom 28. Oktober bis zum 5. Februar 2023 im gerade neu eröffneten mudac in Lausanne Gelegenheit dazu. Dann wird unter dem Titel „A Chair and You“ eine der weltweit größten Privatsammlungen von Stühlen gezeigt. Seit den späten 1990er-Jahren zusammengetragen hat die erstmals öffentlich präsentierte Kollektion, die von Künstler/-innen, Designer/-innen und Architekt/-innen entworfenen Stühle versammelt, Thierry Barbier-Mueller. Er ist der jüngste von drei Söhnen von Monique und Jean Paul Barbier-Mueller und geschäftsführenden Direktor der Société Privée de Gérance. Schon sein Großvater Josef Mueller und dessen Schwester Gertrud Dübi-Müller, eine Muse von Ferdinand Hodler, haben eine bedeutende Sammlung mit Werken von Ferdinand Hodler, Cuno Amiet, Auguste Renoir und Paul Cézanne aufgebaut, die zum Teil im Kunstmuseum Solothurn ausgestellt ist. Im Musée Barbier-Mueller in Genf sind darüber hinaus Werke von Kunst von Kulturen aus aller Welt versammelt.

Fasziniert von der Kreativität, der Frische und der Spontaneität von Designern wie Ron Arad, Tom Dixon oder André Dubreuil, so das mudac, habe der Sammler immer neue Stücke hinzugekauft, bis schließlich eine Sammlung mit mehr als 650 Stühlen aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart entstanden ist. Die Qualität dieses Ensembles sei einzigartig und gehe weit über die übliche Stuhltypologie hinaus: „Innovative Recherchen und formale Konzepte, ungewohnte Kombinationen von experimentellen Materialien, das Spiel mit Maßstäben und Funktionen zeichnen diese umfangreiche Sammlung aus.“

Die Kollektion besteht etwa zu zwei Dritteln aus Einzelstücken, Prototypen oder Werken aus kleinen, limitierten Auflagen und umfasst Werke von Designern wie Ettore Sottsass, Pol Quadens, Shiro Kuramata und Maarten Baas sowie von Künstlerinnen und Künstlern wie Donald Judd, Niki de Saint Phalle, Lawrence Weiner und Franz West. Mit ihren Formen und Materialien veranschaulichten die Objekte ein konzeptuelles, experimentelles Schaffen an der Grenze zu Kunst und Bildhauerei. Es sei, so heißt es in der Ankündigung, vor allem das Objekt an sich, das den Sammler fesselt, „seine Einzigartigkeit, seine Plastizität, der Humor der sich darin zeigt, oder seine Materialität“.

Um der Vielfalt und der Besonderheit der Objekte auch in der Präsentation Rechnung zu tragen, wurde der renommierte amerikanische Künstler und Regisseur Robert Wilson beauftragt, eine Szenografie zu entwerfen, die sich des Repertoires der darstellenden Künste bedient. Wilson lasse das Publikum „in immersive Welten eintauchen, in denen die Stühle wie Protagonisten einer Theateraufführung behandelt werden. Ton, Licht und Kulissen sollen für eine einzigartige Atmosphäre sorgen, in der „das ikonenhafte Designobjekt Stuhl und seine zahlreichen Variationen“ auf ungewohnte Weise entdeckt werden können. Wie in einer Oper würden die verschiedenen „Stuhl-Schauspieler“ in vier Akten vor unterschiedlichen Kulissen und in szenischen Atmosphären inszeniert.


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