Wenn Pandemie auf Alltag und Design trifft und dann noch irgendwo eine Hand im Spiel ist, schrillen im Feuilleton sofort die Alarmsirenen. Ein Produkt scheint aktuell ganz besonders suspekt zu sein: die Türklinke. Ihr Nachteil: Soll sie ihre Funktion erfüllen, muss man sie anfassen. Und da liegt das Problem: Laut einer kürzlich vorgestellten US-Studie sollen sich Viren bis zu 72 Stunden auf verschiedenen Oberflächen – wie Türklinken – halten können, was von anderen Experten wiederum bestritten wird. Dabei war die Türklinke bis eben noch ein Objekt, das besonders Architekten und Designern sehr nahestand, da es sozusagen das i-Tüpfelchen auf dem Gesamtkonzept einer Gestaltungsidee bildete. Ob Henry van de Velde, Walter Gropius oder Dieter Rams, die Liste derer, die Türklinken entworfen haben, ist so lang wie illuster. Selbst der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat in den 1920er-Jahren für das Haus seiner Schwester Margarethe Stonborough-Wittgenstein eigens eine Klinke entworfen. Klinken regeln freilich nicht nur den Wechsel von geschlossen zu offen, abhängig von Form und Material schmeicheln sie auch der Hand. Eben das aber ist gerade alles andere als gefragt. Welche Beziehung wir zur Klinke haben und welche „No-Touch-Alternativen“ sich anbieten, zeigt der Beitrag Anfassen ist archaischer Wahnsinn von Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung.

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