Mit diesem Pop-up haben Nutzer von iOS 14.5 die Option, Cross-Tracking abzulehnen, Foto: © 2021 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Apple-Nutzerinnen und- nutzer können das Nachverfolgen künftig stoppen. Im Zuge eines Updates auf das neue Betriebssystem iOS 14.5 gibt Apple als erster Smartphone-Anbieter seinen Kundinnen und Kunden eine einfache Möglichkeit an die Hand, das Tracking quer über verschiedene Apps und Websites zu unterbinden. Mit einem einzigen Schalter in den Einstellungen lassen sich alle Tracking-Anfragen blockieren. Soll Tracking erlaubt werden, müssen Anbieter von iPhone-Apps ihre Nutzer künftig ausdrücklich um Erlaubnis fragen. Die Analyse-Firma App Annie geht davon aus, dass etwa 90% der Nutzer dieses Tracking ablehnen werden. Mit iOS 14.5 greift die schon im Sommer 2020 angekündigte App Tracking Transparency (ATT). Damit App-Anbieter eine Nutzerin oder einen Nutzer zur Personalisierung der Werbung erkennen können, besitzen Apple-Geräte eine spezielle Kennnummer, die IDFA. Nach dem Update auf iOS 14.5 überprüft das System die Datenschutzeinstellung einer App, sobald die Anwendung zum ersten Mal oder nach einer Aktualisierung geöffnet wird. Die Anwenderinnen und Anwender werden dann über eine von Apple kontrollierte Schnittstelle gefragt, ob ein Tracking tatsächlich erwünscht ist. Die Anbieter der App können in der Abfragebox kurz begründen, warum sie eine Einwilligung zu Tracking haben möchten und welche Vorteile sich dadurch für die Verbraucher ergeben.

Die Maßnahmen stoßen derzeit auf Widerstand in der Werbebranche. Die Verbände kritisieren, der Konzern schließe „faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus“. Gleichzeitig nehme Apple seine eigenen Dienste von den geplanten Änderungen aus und sammle selbst erhebliche Mengen Nutzerdaten. Der für Datenschutz bei Nutzern zuständige Apple-Manager Erik Neuenschwander konterte: „ATT gilt gleichermaßen für alle Entwickler weltweit – und das schließt auch Apple mit ein.“ Facebook z. B. warnt schon seit Monaten, die Maßnahme würde vor allem kleine und mittlere Unternehmen treffen, die insbesondere in der Corona-Pandemie auf personalisierte Werbung bei dem Online-Netzwerk angewiesen seien. Auch mehrere deutsche Verbände aus der Werbe- und Medienbranche warfen Apple unfairen Wettbewerb vor und reichten eine Beschwerde beim Bundeskartellamt ein. Apple betont dagegen: „Wir glauben, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist.“ Die Daten gehörten den Nutzerinnen und Nutzern, „und sie sollten selbst entscheiden können, wie ihre Daten verwendet werden und von wem“. Man habe Unterstützung von Behörden und Datenschützern für die Funktion bekommen. Die Daten der Nutzerinnen und Nutzer auf den Geräten seien immer reichhaltiger und persönlicher geworden. Es gebe auch Wege, Werbung effizienter zu platzieren und ihren Effekt zu messen, ohne einzelnen Nutzern zu folgen, betonte Neuenschwander.

Apple führt das ATT-Verfahren nicht nur auf dem iPhone ein, sondern auch auf dem Tablet (iPadOS 14) und Apple TV (tvOS 14). Außen vor bleiben die Macintosh-Rechner, weil Software dort auch frei, außerhalb des App-Stores von Apple installiert werden kann. Zugleich stellte Neuenschwander ohne konkrete Details für die Zukunft auch Verbesserungen beim Schutz der Privatsphäre auf dem Mac in Aussicht.

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