Emanuele Quinz

Braucht es eine Definition von Design? Ein interessanter Essay des Kunsthistorikers und Kurators Emanuele Quinz

Worüber genau reden wir, wenn wir über Design sprechen? Design zu definieren, war nie einfach. Unter dem Titel All the definitions of design widmet sich der Kunsthistoriker und Kurator Emanuele Quinz in einem Beitrag für das Architekturmagazin Domus unterschiedlichen Definitionen und geht der Frage nach, weshalb es wichtig bleibt, sich mit ihnen zu beschäftigen. In einem seiner letzten Interviews habe, beginnt Quinz seinen Essay, Ettore Sottsass erklärt: Alles ist Design, das ist das Verhängnis. Wenn, so der Autor, aber alles Design ist, was genau ist dann Design? Lässt sich eine verbindliche Definition finden oder sind wir in Wahrheit mit einer Vielzahl von Definitionen konfrontiert, die alle darauf hinweisen, wie sehr sich die Anwendungsbereiche von Design ausgeweitet haben? In einem historischen Abriss zeichnet Quinz den Prozess der zunehmenden Ausdifferenzierung der Disziplin von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart nach. Zunächst seien die Grenzen des Industriedesigns zu Kunst, Architektur, Handwerk und Ingenieurwesen klar abgesteckt, das Ziel der Moderne, die Entwicklung einer neuen, von Autos und Technologie, Massenkonsum und Kommunikation geprägten Gesellschaft deutlich erkennbar gewesen. Daran hätten sogar die Bewegungen der 1960er-Jahre mit ihren zum Teil radikalen Ansätzen nichts ändern können. Parallel dazu hätten sich, auf der Basis der engen Verbindung, die Victor Papanek und andere Pioniere zwischen Design, Ökologie und sozialer Entwicklung hergestellt haben, partizipative und verantwortungsvolle Praktiken verbreitet und „zu einer regelrechten ethischen Wende im Design“ geführt. Im Zuge neuer Informationstechnologien seien dann weitere Definitionen aufgetaucht: „Mit dem Aufkommen des Digitalen ist die Welt zur Information und das Objekt zur Schnittstelle geworden.“ Nun definiere Design Infrastrukturen und Interaktionen und stelle immer mehr eine Form von „globalem“ Projekt dar, „das unser Verhalten bestimmt, unser Bewusstsein konfiguriert, die Räume und Zeiten unserer Existenz und unserer Beziehungen definiert“. Da Design aufgrund seiner Macht und seiner Handlungsfähigkeit ein Bereich von Kräften sei, die für die Transformation der Gesellschaft von grundlegender Bedeutung sind, lehnt Quinz einen Relativismus verschiedener, nebeneinander existierender Definitionen am Ende ab. In Zeiten, in denen Veränderungen krisenhafte Züge annähmen und das Überleben auf dem Spiel stehe, sei eine Definition von Design fundamental: „Der Moment, in dem es schwierig, wenn nicht unmöglich wird, Design zu definieren, ist genau der Moment, in dem dies erforderlich ist.“

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