Campbell’s Tomato Soup im neuen Design
Campbell’s Tomato Soup im neuen Design. © 2021 Campbell Soup Company. All Rights Reserved.

Andy Warhol machte die Suppen 1962 mit seinen „Campbell’s Soup Cans“ zur Pop-Art und jenseits aller Supermarktregale weltweit bekannt. Nun hat Campbell erstmals seit 50 Jahren das Design der Suppen verändert.

Von Thomas Wagner.

Andy Warhol hat erzählt, seine Mom hätte oft zum Mittagessen eine Campbell’s-Dose für ihn aufgemacht, „weil wir uns was anderes nicht leisten konnten“. Und er hat hinzugefügt: „Ich mag sie bis zum heutigen Tag“. Er habe die Campbell’s-Suppen aus Gewohnheit gegessen, „zwanzig Jahre lang, glaube ich, hatte ich jeden Tag das gleiche Mittagessen, Tag für Tag immer dasselbe.“

Warhol hat Campbell’s Soup berühmt gemacht

Andy Warhol - Campbell's Soup Cans MOMA
Museum of Modern Art, MOMA. Foto: Gorup de Besanez. Veröffentlicht von Wikimedia Commons, gemeinfrei nach UrhG §64. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Warhols Arbeiten waren in der Kunstszene bekannt und sein Name hatte in der Öffentlichkeit schon einen guten Klang, als Irving Blum am 9. Juli 1962 Warhols Ausstellung in der Ferus Gallery in Los Angeles eröffnete. Andy war nicht nach LA gefahren und es gab auch keine Vernissage. Stattdessen hatte Blum Postkarten verschickt, die die Ausstellung ankündigten und eine Campbell’s Suppendose zeigten. Präsentiert wurden unter dem Titel „Campbell’s Soup Cans“ 32 Bilder in kleinem Format, die sich, wie ihre Vorbilder im Supermarkt, nur durch die Geschmacksbezeichnungen auf dem Etikett unterschieden – analog zu den 32 verschiedenen Fertigsuppen, die Campbell damals im Angebot hatte.

Warhol kam aus der Werbung und nahm das Zusammenwirken von Produkt, Präsentation und Konsum ernst. Das zeigte sich nicht zuletzt daran, dass er die 32 Leinwände nicht einfach wie Abbilder an die Wand hängte. Er stellte sie vielmehr im immer gleichen Abstand nebeneinander auf Leisten, die an der Wand angebracht waren. So paradierten sie neben- und übereinander aufgereiht wie die Dosen im Supermarktregal. Supermarkt und Galerie fusionierten – und der Künstler trat als Schöpfer und als exemplarischer amerikanischer Verbraucher eines ihm bekannten Alltagsobjekts auf.

Geschmacksrichtung jetzt in Wort und Bild

Campbell's neue Schriftmarke
Campbelll’s neue Schriftmarke. © 2021 Campbell Soup Company. All Rights Reserved.

Über fünf Jahrzehnte lang ist das Markendesign von Campbell’s Soup, wie es auf Warhols Bildern erscheint, nahezu unangetastet geblieben. Nun sind Markenlogo und Dosenetiketten inhouse neugestaltet worden. Das überarbeitete Design, so das Unternehmen, lasse die Marke zeitgemäß erscheinen, respektiere aber auch das Erbe von Campbell’s. Was den auf der Originalsignatur des Gründers Joseph Campbell basierenden Schriftzug angeht, so wurden die Verbindungen und Übergänge zwischen den Buchstaben ebenso entfernt wie die Schattierung, die den Namenszug dreidimensional wirken ließ. Überhaupt wurden sämtliche Produktbezeichnungen nun in einer anderen Schriftart gesetzt.

Die charakteristische Zweifarbigkeit – oben rot, unten weiß – bleibt hingegen erhalten; dasselbe gilt für die mittig platzierte Goldmedaille. Mit dieser war die Gestaltung der Dose mit dem in zwei gleich große Felder geteilten Etikett auf der Pariser Weltausstellung von 1900 ausgezeichnet worden, woraufhin ein Bild der Medaille in das Etikett eingefügt wurde. Das Wort „Soup“ (mit dem gekippten „O“) verliert seinen charakteristischen Stil, in dem Elemente des Pop und des art déco verschmelzen und erscheint nun komplett goldfarben. Besonders ins Auge fällt zudem, dass das die Geschmacksrichtung angebende Wort – z.B. Tomate – nun nicht mehr in Majuskeln gesetzt ist und neben das Wort ein Bild getreten ist. Da die US-amerikanischen Kultur – Beispiel Fußgängerampeln – bisher bevorzugt auf Schrift statt auf Bilder oder Piktogramme setzte, könnte das ein Zugeständnis an globale Märkte sein.

Warhol bleibt Warhol

Dass das Logo der Firma und das ikonische Design der Campbell’s Suppendosen, wenn auch behutsam, versachlicht und den veränderten medialen Anforderungen angepasst wurden, ist nachvollziehbar. Der Überhöhung des nun historischen Designs durch die Pop-Art Andy Warhols tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Diese ist selbst längst historisch – und hat doch nichts von der Frische und konsumkritischen Ironie verloren, mit der sie trivial-kommerzielle Produkte wie Suppendosen für jeden sichtbar in die heiligen Räume der Kunst eingeschmuggelt hat. Was durch das überarbeitete Design sehr wohl geringer wird, ist die Differenz zu anderen Dosensuppen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja in einigen Jahren Campbell’s Soups im Retrodesign. Ob es Warhol wohl gefallen hätte, dass das Unternehmen die Revision des Markendesign zum Anlass genommen hat, eine limitierte NFT Art Collection aufzulegen?

Campbell's Soup Can (Tomato) - Andy Warhol, 1962
Campbell’s Soup Can (Tomato) – Andy Warhol, 1962. Pop Art. Foto: Andy Warhol. Veröffentlicht von Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Campbell%27s_Soup_Can_(Tomato)_-_Andy_Warhol_-_1962.jpg), gemeinfrei nach UrhG §64. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

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