Foto: © Luise Marie Raithel

Das Sterben gedruckter Designmagazine geht weiter. Als internationales, auf Deutsch und Englisch erscheinendes Fachmagazin hat novum 96 Jahre lang monatlich herausragende Arbeiten aus den Bereichen Grafikdesign, Illustration, Corporate Design, Druck, Papier und Typografie präsentiert. Es hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und in mehr als 1.000 Ausgaben weltweit Designerinnen und Designer informiert und inspiriert. Mit dieser stolzen Bilanz verabschiedet sich das Magazin in seiner bisherigen Form. Zukünftig geht es in der Zeitschrift Page auf. „Unsere Zeitschrift“, schreibt Herausgeber Dr. Jörg Stiebner im Editorial der letzten Ausgabe, „hat eine lange, fast hundertjährige Traditionsgeschichte. Gegründet von K. H. Frenzel in der Phönix Druck und Verlags GmbH, ab 1950 über Jahrzehnte fortgeführt im Bruckmann Verlag, wurde die Zeitschrift dann Anfang 2000 von unserem Stiebner Verlag übernommen, einem mittelständischen Familienunternehmen. Auf diese lange Zeit sind wir stolz, und novum war eine spannende Erfolgsgeschichte.“ Da die Zeitschrift von Jahr zu Jahr an Auflage verloren habe, seien „zuletzt keine wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gegeben“ gewesen, „die Zeitschrift in der vorhandenen Form weiterzuführen“. Es sei aber gelungen, in Page einen Partner zu finden, sodass „wir unseren Abonnenten (Print und digital) ab der novum-Ausgabe 01/02.21 den Bezug der Page anbieten können“. Inwieweit sich die Kooperation auch inhaltlich auswirkt, wird sich erst mit Erscheinen der kommenden Ausgabe der Page abschätzen lassen.

Für die ehemaligen Macher der novum, so ist im designtagebuch zu lesen, „komme der Schritt hingegen weniger überraschend“. Bereits im letzten Jahr, so Christine Moosmann, bis zuletzt Chefredakteurin, „habe der Stiebner Verlag die novum verkaufen wollen“. Die novum-Redaktion sei nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen. „Wir hatten selbst ein Angebot abgegeben, um die novum in Eigenregie weiter zu führen, die Kooperation mit der Page erschien dem Stiebner Verlag aber wohl attraktiver“, so Moosmann weiter. Die novum habe zwar, wie alle Printtitel, Einbußen hinnehmen müssen, aufgrund des bis zuletzt soliden Abonnentenstamms und der ordentlichen Anzeigenumsätze teile das ehemalige Grafik- und Redaktionsteam allerdings nicht die Einschätzung der Verlagsführung hinsichtlich der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

Das Ende der novum könnte zugleich einen Neuanfang bedeuten. Auf der Crowdfunding-Plattform Startnext sucht das ehemalige Grafik- und Redaktionsteam Unterstützer, um unter dem Namen „Grafikmagazin“ eine neue gedruckte Fachzeitschrift für Kommunikationsdesign herausbringen zu können. Das Team ist davon überzeugt, dass „Print alles andere als tot ist“. Handwerk und Haptik würden gerade jetzt mehr geschätzt denn je. Mit dem ab Februar im Zwei-Monats-Rhythmus erscheinenden Grafikmagazin wolle man sich „für Vielfalt in der Medienlandschaft, für Qualitäts-Journalismus für die Kreativbranche sowie für faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung“ einsetzen.

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