Industriedesignerin Janina Hünerberg hat für ihre Arbeiten mit dem Schwerpunkt Medical Design schon viele renommierte Preise erhalten. Jüngst wurde sie vom Rat für Formgebung als „German Design Award Newcomer 2020“ ausgezeichnet. Ein Gespräch über Anerkennung, den Designprozess heute und ihre Begeisterung für Medical Design.

Die Preisträgerin

Janina Hünerberg wurde am 3. Januar 1992 in Hamburg geboren. 2016 schloss sie mit dem Bachelor of Arts (Industriedesign) an der Muthesius Kunsthochschule, Kiel, ab. Zwei Jahre später folgte der Master of Arts im Bereich Medical Design. Bereits während des Studiums erhielt Janina Hünerberg mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter auch eine Anerkennung beim Bayrischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner sowie beim Mia Seeger Preis für ein Messgerät zur Vor-Ort-Diagnostik von Mastitis bei Milchkühen. Zudem belegte sie beim Muthesiuspreis und bei der nationalen Runde des James Dyson Award den ersten Platz. 2020 erhielt sie die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung „German Design Award Newcomer 2020“ vom Rat für Formgebung.

Ihre bisher wichtigsten Arbeiten entstanden ebenfalls im Bereich Medical Design, darunter LYBOprotect, ein antibiotisches Pflaster zur prophylaktischen Behandlung von Borreliose bei Zeckenstichen, das non-invasive Blutzuckermessgerät BIDOO für Hunde und Katzen und CONTIGO, ein Orientierungshelfer, der an Demenz erkrankten Menschen im Frühstadium hilft, selbstständig wieder den Weg nach Hause zu finden. Janina Hünerberg arbeitet seit 2018 als Industriedesignerin/Medicaldesignerin bei Holm & Laue GmbH & Co. KG.

www.janinahuenerberg.de

Frau Hünerberg, was bedeutet für Sie die Auszeichnung „Newcomer 2020“?

Über die Auszeichnung freue ich mich besonders als Anerkennung meiner Arbeit. Beim German Design Award urteilt ja eine internationale Fachjury über die Einreichungen, was für mich bedeutet, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Welche Vorteile hat Ihnen die Auszeichnung geboten?

Der Rat für Formgebung bringt ein riesiges Netzwerk an Kontakten mit, das wir als Finalisten wunderbar nutzen konnten. Es war zum Beispiel großartig, bei der Preisverleihung dabei zu sein. Das Preisgeld kann ich gut einsetzen, um eigene Projekte weiter voranzubringen.

Was definiert für Sie den Designprozess heute?

Heute muss man im Design viele Dinge unter einen Hut bringen: Man muss neue Technologien mit einbeziehen, ohne dabei den Menschen aus den Augen zu verlieren. Außerdem sind die Anforderungen von Kunden und Nutzern sehr hoch, weil sie hohe Standards gewöhnt sind. Auch das muss man berücksichtigen, um gute Produkte zu gestalten.

Was ist die besondere Herausforderung für Design im 21. Jahrhundert?

Die neuen Technologien und Medien bringen nicht nur neue Herausforderungen mit sich, sie bieten auch neue Chancen, weil sie für jeden so leicht zugänglich sind. Ich kann im Internet über alles Informationen einholen, ich kann schnell Dinge lernen und diese auf mein Design übertragen. Ich kann im Austausch sein mit Menschen auf der ganzen Welt. Und diese Möglichkeiten bieten viele Vorteile, ich kann zum Beispiel schnell Feedback einholen, darauf reagieren und meine Produkte entsprechend anpassen.

Was reizt Sie besonders am Bereich Medical Design?

Im Medical Design fasziniert mich besonders die Interaktion zwischen Menschen und Produkten. Gutes Medical Design gibt einem Produkt eine gewisse Selbstverständlichkeit, so dass jeder es verwenden kann, ohne Experte dafür zu sein. Hier ist es besonders wichtig, den Menschen, beziehungsweise den Akteur, der das Produkt später nutzen wird, in den Mittelpunkt zu rücken.

mamelle – ein Messgerät zur Vor-Ort-Diagnostik von Euterentzündungen bei Milchkühen. Design: Janina Hünerberg.

Die Auszeichnung: German Design Award Newcomer

Der Newcomer Award des Rat für Formgebung fördert junge Designerinnen und Designer, die durch außergewöhnliche Leistungen und kreatives Talent auf sich aufmerksam machen. Die international besetzte Jury des German Design Award wählt aus allen Nominierten die fünf Finalisten aus. Der oder die Gewinner/in wird jährlich auf der Preisverleihung des German Design Award anlässlich der Ambiente in Frankfurt am Main bekannt gegeben.

Um die dotierte Auszeichnung kann man sich nicht bewerben – Vertreter von Hochschulen oder der Rat für Formgebung schlagen die Nominierten vor. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Mehr Informationen unter: https://www.german-design-award.com/newcomer.html

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