Krankenhäuser als Orte der Medizin und Heilung sind elementar wichtig für unsere Gesellschaft.  Doch sind sie bei all ihrer ärztlichen Professionalität wirklich optimale Orte der Heilung? Warum heißen sie überhaupt Krankenhäuser und nicht Heilungshäuser? Ein Projekt der Hochschule der Bildenden Künste Saar ermöglichte Studierenden aus dem Produkt- und Industriedesign Einblicke in die Praxis und regte zu neuen Lösungen an.


3 Fragen an Prof. Mark Braun und Prof. Nicola Stattmann von der HBKsaar

Was war der Grundgedanke des Projekts Design Meets Health?

Die Grundidee war, den Ort des Krankenhauses für Designstudierende erlebbar zu machen und in dem Rahmen zu untersuchen, wie durch Design Vorgänge optimiert, welche Bedürfnisse erfüllt werden können. Wie kann zum Beispiel eine Brücke geschlagen werden von streng funktionalen Geräten und Prozessen hin zu den Bedürfnissen der Patienten und auch des Personals? Können emotionale Faktoren wie z.B. Angst, Sorge und Anspannung durch gute Gestaltungskonzepte in Zuversicht, Vertrauen und Entspannung umgewandelt werden? Wie steht es um Stress, Kommunikation, Privatsphäre und Ausgleichsangebote? 

Diesen und noch vielen weiteren Fragen haben sich die zwölf Projektteilnehmer/innen gestellt und daraus Produkte entwickelt. Die finalen Arbeiten in Form von Prototypen, Modellen und Versuchsreihen wurden zum Rundgang am Ende des Wintersemesters 2020 in einer inszenierten Ausstellung präsentiert.

Wie wurden die Teilnehmer ausgewählt?

Das Projekt lief an der HBKsaar im Wintersemester 2019/20 und war für Master-Studierende und Studierende aus höheren Semestern im Fachbereich Produkt- und Industriedesign ausgelegt.

Die Teilnehmer*innen waren:

  • ANA-KARINA HALLER
  • ELENA KAYSER & LEONIE ZEBE
  • FREDERIK JOACHIM
  • THORSTEN MÜLLER & DEAN WEIGAND
  • DONATA KOSCHEL
  • SHUO ZHANG HUA
  • FABIAN HARDT
  • KUAI LIAN
  • PHILIPP WETTMANN
  • NING XIANG CAO

Wir (Anm. der Redaktion: Prof. Mark Braun und Prof. Nicola Stattmann) und Carmen Dehning waren als Projektbetreuer die Ansprechpartner. Bedanken möchten wir uns an der Stelle auch bei unseren Unterstützern: dem Klinikum Frankfurt Höchst, dem Krankenhaus Nordwest und dem Rat für Formgebung, insbesondere Frau Helge Aszmoneit, die in der Bibliothek des Rat für Formgebung mit den Studierenden einen Workshop durchführte, in dem es um die Methodik der fachlich fundierten Recherche ging. Anschließend fand das dreitägige Praktikum im Krankenhaus statt, das durch eine gemeinsame Nachbesprechung mit Frau Helge Aszmoneit abgerundet wurde.

Welche Ergebnisse des Projekts waren von besonderem Interesse?

Grundsätzlich konnten sich die Studierenden mit diesem Projekt stark identifizieren. Denn hier standen Aspekte wie Hilfe, Nutzen und Sinnhaftigkeit der Produkte im Vordergrund. Besonders durch die vorgelagerten Berührungspunkte mit Betroffenen im Kurzpraktikum im Krankenhaus war die Motivation noch größer, innovative und menschenzentrierte Lösungen in Produktentwürfe zu überführen. 

Drei Projekte waren besonders interessant:


MULTISENSORISCHES THERAPIEBESTECK 

ELENA KAYSER & LEONIE ZEBE 

Dysphagie bezeichnet Kau- und Schluckbeschwerden, die auftreten, wenn eine der am Schluckakt beteiligten Strukturen in ihrer Funktion bzw. deren Zusammenwirken beeinträchtigt ist. Die Bedeutung von Essen geht weit über den eigentlichen Akt der Nahrungsaufnahme hinaus und wird auch als wichtiges, gesellschaftliches Ritual mit Genuss und kommunikativen Komponenten verstanden. So sind im Entwurf MULTISENSORISCHES THERAPIEBESTECK von ELENA KAYSER & LEONIE ZEBE Werkzeuge entstanden, die auf die Anforderungen abgestimmte, multisensorische Ess-Erlebnisse vermitteln. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Selbstständigkeit sowie des Wohlbefindens.


GENESUNGSSYSTEM 

THORSTEN MÜLLER & DEAN WEIGAND 

Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat sowie lange stationäre Krankenhausaufenthalte haben Funktions- und Mobilitätseinschränkungen des Patienten zur Folge. Deshalb ist es wichtig, koordinierte Bewegungen zu fördern sowie die bewusste Wahrnehmung des Körpers wiederherzustellen. Um diese zu trainieren, bieten sich dem Patienten neben der Physiotherapie leider wenige Möglichkeiten dazu. Die Verortung des Entwurfs Genesungssystem von THORSTEN MÜLLER & DEAN WEIGAND ist daher der öffentliche und halböffentliche Raum, um nach erstmaliger Einweisung eines Therapeuten selbstständig benutzt werden zu können. Die Formen, Farben und Haptiken laden dazu ein, die Module zu erkunden, anzufassen und spielerisch zu nutzen. 

Dean Weigand und Thorsten Müller. Foto: PaoloCuffaro

LARYNGEKTOMIE – BEATMUNGSMASKE 

NING XIANG CAO 

Wenn Kehlkopflose bei einem Unfall oder einer plötzlichen schweren Krankheit Erste Hilfe benötigen, kommt es nicht selten zu Problemen, da kaum ein Passant die Besonderheiten und medizinischen Fachkenntnisse zur Ersten Hilfe an einem Kehlkopflosen kennt. Eine Beatmung kann nur über die Halsöffnung erfolgen. Die BEATMUNGSMASKE von NING XIANG CAO wird am Hals fixiert und verliert so, zwischen Herzdruckmassage und Atemspende, nicht den Halt. Zusätzlich wird das Fallen der Kinnspitze auf das Brustbein vermieden, und die Halsöffnung bleibt trotzdem geöffnet. Dies ermöglicht in Notfallsituationen eine sichere Mund-zu- Halsöffnung-Beatmung.

Ning Xiang Cao
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