Wer oder was definiert heute, was lebendig ist? Die Ausstellung „BioMedien“ im ZKM in Karlsruhe.
© Katrin Hochschuh und Adam Donovan, Visual: The Rodina

Unser organisches Leben ist mehr und mehr von einer Koexistenz mit künstlichen Lebensformen bestimmt, die wir selbst entwickeln und gestalten. Schon seit Jahrhunderten versucht der Mensch, Maschinen zu erschaffen, die das Leben simulieren. Die Genealogie reicht von der „Animatronik des 16. Jahrhunderts“ über „radbasierte Bewegungsmaschinen“ wie Fahrräder, Züge und Autos bis zu den bewegten kinematografischen Bildern des 20. Jahrhunderts. Im 21. Jahrhundert hat sich das Spektrum an Möglichkeiten abermals erweitert. Angefangen bei der Simulation von Bewegung, über die kinetische Kunst bis hin zur kybernetischen Theorie, hat die Mimesis von Leben und Lebenssystemen durch künstliche Intelligenz und generative Technologien dazu geführt, dass das Leben heute nicht mehr ohne Maschinen denkbar ist und neu definiert werden muss.

Die Ausstellung „BioMedien“ im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien ZKM lädt vom 18. Dezember bis zum 28. August 2022 dazu ein, mögliche, von rund 60 Künstler/innen erarbeitete Formen des Zusammenlebens zwischen organischen und künstlichen Lebensformen kennenzulernen und zu diskutieren. Was passiert, wenn eine künstliche Intelligenz von lebendigen Gurken-Pflanzen lernt? Wieso fügen sich Roboter zu einem Schwarm, wenn ein Mensch an ihnen vorüberzieht? Wie lebt es sich mit dem ausgestorbenen Kaua’i ʻōʻō-Vogel? Wer oder was definiert heute, was lebendig ist – wenn Intelligenz und Empathie nicht mehr allein an den Menschen gebunden sind?

In der Schau untersucht werden sollen dynamischen Systeme an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft – sowohl im Hinblick auf ihre möglichen Anwendungen im realen Leben als auch auf ihre Fähigkeit hin, neue Perspektiven auf aktuelle Fragen der Gegenwart zu eröffnen. „In einer Zeit“, heißt es in der Ankündigung, „in der unser Planet existenziell bedroht ist, ist die Suche nach neuen Konzepten und Definitionen des Lebens mehr als nur ein philosophisches Unterfangen, sie ist zu einer Verantwortung gegenüber dem Leben selbst geworden. Neue Methoden und Ideologien müssen erforscht werden, um sich der Frage zu nähern, wie sich das Leben in einer Gemeinschaft aus (nicht-)menschlichen und technologischen Entitäten gestalten kann – vor allem vor dem Hintergrund der tiefgreifenden ökologischen Krise, des Massenaussterbens und der von Menschen verursachten Klimakatastrophe.“

Mehr dazu auf ndion

ndion Podcast Folge 12: Bionik bei Festo – Show vs. Business


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