Eileen Grays Villa E-1027
Meeresufer in Roquebrune-Cap-Martin, Alpes-Maritimes, Frankreich. Hinter den Bäumen, die Villa E-1027. Foto: Tangopaso. Veröffentlicht von Wikimedia Commons.

Das Haus ist weltberühmt. Wie eine schicke weiße Yacht, die zwischen Zitronenbäumen gestrandet ist, liegt es zwischen Felsen am steilen Hang. Die irische Designerin Eileen Gray hat das Haus mit dem seltsamen Namen E-1027, das sie auch „mein Boot“ nannte, für sich und ihren damaligen Liebhaber, den rumänischen Architekten Jean Badovici, entworfen. In den Namen E-1027 haben sich beide eingeschrieben: E steht für Eileen, 10 für Jean (J ist der zehnte Buchstabe des Alphabets), 2 für Badovici, 7 für Gray. 1929 fertiggestellt, verließ Gray das Sommerhaus, an dem sie Jahre gearbeitet und das sie weitgehend selbst finanziert hatte, bereits zwei Jahre später und kehrte nie mehr zurück. Weshalb bleibt ein Geheimnis. Hinzu kommt: In Roquebrune-Cap-Martin an der Côte d‘Azur, wo das Haus mit spektakulärem Blick auf das Fürstentum Monaco liegt, befindet sich eine bemerkenswerte Ansammlung von Gebäuden, die heute unter dem Namen „Cap Modern“ bekannt sind. Neben E-1027 befindet sich hier Le Corbusiers minimalistische Ferienhütte, das „Cabanon“, Ferienhäuser und das Restaurant Etoile de Merbar. Le Corbusier, der mehrfach bei seinem Freund Badovici zu Gast war und am 27. August 1965 am benachbarten Strand von Cabbé starb, brachte in der Villa zudem einige Wandgemälde an.

Nachdem das Haus baufällig geworden war, wurde es in den 1990er-Jahren von der französischen Regierungsbehörde Conservatoire du Littoral erworben. Nach vielem Hin und Her – Denkmalpflegerische und touristische Interessen, biografische Verflechtungen und architektonische Zusammenhänge konkurrierten miteinander – sind E-1027 und LCs „Cabanon“ nun wieder zugänglich und können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Während der fünf Jahre dauernden Renovierung wurde E-1027 wieder in den Zustand versetzt, in dem es 1929 fertiggestellt worden war. Ein wichtiger Teil der Restaurierung bestand in der Verstärkung und Reparatur der Betonstruktur, die durch die aggressive Meeresluft beschädigt worden war. Auch die eingebauten Einrichtungsgegenstände des Hauses wurden in Anlehnung an die ursprünglichen Materialien und Methoden wiederhergestellt. „Die Restaurierung der Villa in den Zustand von 1929 war für alle, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, eine Liebesarbeit“, sagte der Präsident der Association Cap Moderne, Michael Likierman. „Das Ergebnis ist eine wahre Offenbarung des Genies von Eileen Gray und ein wunderbar dynamischer Kontrast zu den überraschend intimen Gebäuden von Le Corbusier gleich nebenan.“

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