Von Thomas Wagner.

Jet Suit
Gravity Industries Jet Suit. © GRAVITY INDUSTRIES LTD.

Schnell mal abheben: Für Retter und Extremsportler, weniger für Doppelnull-Agenten – Flugrucksäcke, sogenannte Jetpacks, werden immer perfekter.

Wer möchte das nicht: fliegen können. Die Erdenschwere überwinden, sich in die Lüfte erheben und den Himmel erobern – der Traum ist so alt wie die Menschheit. Dass es so reizvoll wie gefährlich ist, in die Luft zu gehen, belegen nicht nur Superhelden aus der Welt der Comics. Ein warnendes Beispiel stammt aus der griechischen Mythologie. Es handelt von Dädalus und seinem Sohn Ikarus: Weil der kretische König Minos (Stichworte: Pasiphaë, der Stier, der menschfressende Minotaurus und das Labyrinth) sauer auf Dädalus war (er hatte verraten, wie man mittels des Ariadnefadens wieder aus dem Labyrinth herausfindet), hielt er ihn und seinen Sohn auf der Insel gefangen. Blieb nur die Flucht durch die Luft. Um zu entkommen, baute Dädalus für sich und Ikarus Flügel aus Federn und Wachs. Da der übermütige Ikarus der Sonne zu nah kam und das Wachs, das die Flügel zusammenhielt schmolz, stürzte er ins Meer. Die Natur lässt sich schwer überlisten.

Frei durch die Lüfte gleiten

Dass es mit der Luftfahrt doch noch geklappt hat, ist bekannt. Der Traum aber, allein und ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen, frei durch die Lüfte gleiten zu können, blieb bestehen. Ausgestattet mit einem schnittigen Wingsuit stürzen sich Mutige heute von Felswänden oder aus Flugzeugen, um das kurze Glück des pfeilschnellen Sturzflugs zu genießen. Dass es nicht nur abwärts, sondern auch mit Antrieb aufwärts gehen kann, beweisen düsengetriebene Flugrucksäcke, sogenannte Jetpacks, und ähnliche Fluganzüge. Auf der einen Seite stehen Modelle, die bei Rettungen in unwegsamem oder schwer zugänglichem Terrain oder zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, auf der anderen reine Sportgeräte. Zur Levitation taugen sie alle – und Spaß macht das Fliegen sicher auch.

Schnell am Unfallort

Ein Modell, das in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wurde und von Rettungsdiensten und dem Militär in Großbritannien eingesetzt wird, stammt von Gravity Industries. Ein Video zeigt, wie man sich bei dem Unternehmen, das die (zu überwindende) Schwerkraft bereits im Namen führt, einen Rettungseinsatz vorstellt: Würde ein Retter zu Fuß 25 Minuten brauchen, bis er zu dem Unfallopfer vorgedrungen ist, erreicht der heranschwebende Kollege die Unfallstelle in wenigen Augenblicken. Mit 30 bis 50 Liter Sprit auf dem Rücken und zwei an den Unterarmen befestigten Düsen wirkt der Raketenantrieb zwar etwas plump, in aufrechter Position geht es aber flott voran. Ein anderes Video, das eine Aktion auf hoher See zeigt, macht eher logistische oder militärische Optionen deutlich: Um einen Lotsen abzusetzen oder ein (feindliches) Schiff zu entern, sind die heranschwebenden Männer gut vorstellbar.

Jet Suit Entermanöver
Der Jet Suit im militärischen Test. © GRAVITY INDUSTRIES LTD.

In den USA zugelassen

JetPack Aviation Jet Pack
JetPack Aviation Jet Pack. © 2020 JetPack Aviation

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Jetpack Aviation. Bei dem neuesten Modell JB 11 handelt es sich um einen klassisch anmutenden Raketenrucksack mit insgesamt sechs Strahltriebwerken, der als einziger Fluganzug in den USA von der Luftfahrtbehörde zugelassen ist. Wie bei allen diesen von Superhelden-, Spionage- und Katastrophenfilmen inspirierten Geräten, ist die Flugzeit begrenzt, da der Treibstoff in Tanks auf dem Rücken mitgeführt werden muss. Je nach Hersteller und System ist nach 10 bis 30 Minuten Schluss. Für all jene, die schon immer von einem Flug mit einem solchen Düsenrucksack geträumt hat, hält Jetpack Aviation ein spezielles Trainingsangebot bereit. Zwei Tage individueller Unterricht mit mindesten drei Flügen pro Tag für rund 5000 Dollar – Versicherung inklusive.

Wingsuit mit Elektroantrieb

BMW Wingsuit
Nahansicht des BMW Wingsuit. © BMW Group

Kein Jetpack, sondern ein Wingsuit samt Elektroantrieb, hat BMW vorgestellt. Gemeinsam mit BMW i und Designworks, der Inhouse Agentur der BMW Group für mobile Konzepte von morgen, hat der Österreicher Peter Salzmann das Projekt „The Electrified Wingsuit“ entwickelt. Da gleichzeitig der vollelektrische BMW iX3 entwickelt wurde, lag die Lösung auf der Hand: Eine Weiterentwicklung des bekannten Tragflächenanzugs, die mittels E-Antrieb ein agiles Flugerlebnis ermöglicht. Praktische Überlegungen spielen bei dem Extremsportgerät keine Rolle. Dafür harmonisiert es perfekt mit dem Marketing des neuen iX3.

Die Feuerwehr schwebt wasserbetrieben

Dass Auftrieb nicht nur per Düsen- oder Elektroantrieb erzeugt werden kann, sondern auch mittels Hochdruck-Wasserstrahlen, beweist die Feuerwehr von Dubai. Ihr wasserbetriebener Fluganzug kann bei Löscharbeiten eingesetzt werden – sofern der Brandherd in Wassernähe liegt. Wem all die Fluggeräte noch nicht reichen, um abzuheben und durch die Lüfte zu sausen – es gibt auch noch „Flyboards“, eine Art Skateboard mit Düsenantrieb, oder, falls man gern Düsenjäger spielt, mit dem Alpha Jetman einen Deltaflügel samt Jetantrieb, unter den der Pilot geschnallt wird.

BMW Wingsuit Delta
Drei BMW Wingsuits fliegen in Formation. © BMW Group

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