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Von den Pionierinnen des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Künstlerinnen: Das Historische Museum Frankfurt beleuchtet in einer neuen Ausstellung „Stadt der Fotografinnendie vielfältigen Beziehungen zwischen Fotografie, Stadt und Gesellschaft.

Frankfurt: Stadt der Fotografinnen
Emy Limpert, Modeamt der Stadt Frankfurt, Modell Regenmantel | ©Historisches Museum Frankfurt
Frankfurt: Stadt der Fotografinnen
Ilse Bing, Selbstporträt mit Leica im Spiegel, Silbergelatineabzug, Frankfurt 1931 | ©Historisches Museum Frankfurt

Die Entwicklung Frankfurts zur internationalen Metropole seit der Industrialisierung ist eng verknüpft mit der Entwicklung des Mediums Fotografie, aber auch mit der Geschichte der sozialen und künstlerischen Emanzipation von Fotografinnen. Seit der Erfindung der Fotografie und der Gründung der ersten Ateliers in den 1840er Jahren zog Frankfurt Fotografinnen an, deren Arbeiten regional, national und international Beachtung fanden. Dabei spielte die enge Beziehung von Fotografie und Stadtbild eine wichtige Rolle, sei es im Bildjournalismus, in der Architektur-, Mode- oder Theaterfotografie oder in künstlerischen Fotokonzepten. Deutlich werden die vielfältigen Beziehungen, so das Museum, „durch die Frankfurter Theater- und Illustriertenfotografinnen Nini und Carry Hess, durch die Architektur- und Gesellschaftsfotografinnen Ilse Bing und Ella Bergmann-Michel in der Weimarer Republik genauso wie durch Gisèle Freund im Bereich des Gesellschaftsporträts und der Fototheorie“.

Viele Fotografinnen, die zu ihrer Zeit sehr bekannt waren, sind bisher in der breiten Öffentlichkeit kaum gewürdigt worden. Um dies zu ändern, widmet ihnen das Historische Museum Frankfurt (HMF) vom 29. Mai bis 22. September unter dem Titel „Stadt der Fotografinnen. Frankfurt 1844 – 2024“ eine große Werkschau mit rund 450 regionalen, nationalen und internationalen Exponaten. „Über den Dialog der Werke von rund 40 Fotografinnen“, so heißt es in der Ankündigung, „bilden sich generationenspezifische, aber auch immer wiederkehrende Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Themen und Fotogattungen heraus. Der urbane Raum wird dabei als sozialer, politischer und kultureller Ort ins Bild gesetzt und ist zugleich Motor wie Zielpunkt fotografischer Aktivität und Kreativität.“

Frühe Fotopionierinnen wie Julie Vogel waren seit den 1840er Jahren in Frankfurt tätig. In der Kaiserzeit entstehen die ersten von Frauen selbständig geführten Fotoateliers, wie das der Porträt- und Theaterfotografin Katharina Culié. In den 1920er Jahren wird der kulturelle und gesellschaftliche Wandel durch das „Neue Frankfurt“ vorangetrieben, an dem Fotografinnen wie Grete Leistikow, Jeanne Mandello und Ilse Mayer Gehrken beteiligt sind. Besonders Ursula Edelmann schärft den fotografischen Blick auf die Architektur der 1950er Jahre. In der Generation der 68er prägen Barbara Klemm, Erika Sulzer-Kleinemeier, Inge Werth und Abisag Tüllmann das fotografische Bild der Stadt. Ab den 1980er Jahren setzt sich Laura Padgett in ihren fotokünstlerischen Untersuchungen mit historischer Bausubstanz auseinander, Meike Fischer fokussiert gesellschaftspolitisch auf aktuelle Neubauprojekte. Mara Eggert, Annegret Soltau, Gabriele Lorenzer oder Irene Peschick beschreiten seit den 1960er Jahren vielfältige neue Wege. Und Susa Templin, Christiane Feser und Sandra Mann sind seit den 1990er Jahren in der internationalen Ausstellungs- und Fotoszene vernetzt. Darüber hinaus zeigt die künstlerische Ausbildung von Fotografinnen an der HfG Offenbach und der Städelschule, dass sich Frankfurt von einem Zentrum der Pressefotografie nach 1945 zu einem Ort zeitgenössischer Fotokunst entwickelt hat.


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