Gira Sarabhai, Mitgründerin des indischen National Institute of Design gestorben
V. l. n. r.: Designerin Deborah Sussman, Gira Sarabhai, Künstler Haku Shah. Sarabhai prägte das postkoloniale indischen Design maßgeblich. © National Institute of Design

Die Architektin, Designerin, Kuratorin und Historikerin Gira Sarabhai hat an der Gründung einiger der wichtigsten Designinstitutionen im postkolonialen Indien mitgewirkt und Generationen von Designer/innen, Künstler/innen und Handwerker/innen geprägt. Geboren wurde sie am 11. Dezember 1923 in Ahmedabad als jüngstes von acht Kindern von Sarala Devi und Ambalal Sarabhai, einem bekannten Industriellen, der sein Vermögen in den Textilfabriken von Gujarat machte. Die Sarabhais waren fortschrittliche Anhänger von Mahatma Gandhi und Unterstützerinnen und Unterstützer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Sie öffneten ihr Haus für viele Berühmtheiten des 20. Jahrhunderts, darunter der Dichter, Dramatiker und Komponist Rabindranath Tagore, die politisch wichtige Familie Nehru, die Sozialistin Annie Besant, der Schriftsteller E.M. Forster, der Fotograf Henri Cartier-Bresson und die Pädagogin Maria Montessori.

Als junge Frau war Gira Sarabhai mit vielen der weltweit führenden Persönlichkeiten aus Architektur, Design und der Kunst der Moderne wie Frank Lloyd Wright, Le Corbusier, Louis Kahn, B.V. Doshi, Buckminster Fuller, Charles und Ray Eames, Isamu Noguchi und Alexander Calder befreundet. So studierte und lernte sie etwa bei Wright in Taliesin, seinem Anwesen in Wisconsin, und gehörte zu dem Team, das an Wrights Entwurf für das Guggenheim Museum in Manhattan arbeitete. (Während ihres Aufenthalts in New York schloss sie auch Freundschaft mit dem Komponisten John Cage, der ihre musikalische Schwester Gita unterrichtete.

Ende der 1940er-Jahre kehrte Sarabhai in das gerade unabhängig gewordene Indien zurück, entwarf Wohngebäude im Stil der Moderne und sammelte indische Textilien. 1949 gründete sie zusammen mit ihrem Bruder Gautam das Calico Museum of Textiles, dessen Sammlung als die weltweit beste indischer Textilien gilt. Als Charles und Ray Eames 1958 im Auftrag der indischen Regierung einen Bericht schrieben, in dem sie Design-Ausbildungsprogramme für Interinnen und Inder empfahlen, arbeitete Gira Sarabhai mit der Regierung und der Ford Foundation zusammen, um eine Einrichtung auf der Grundlage der Designauffassung des Bauhauses aufzubauen. 1961 eröffneten sie und ihr Bruder das National Institute of Design (NID) in Ahmedabad. Gira Sarabhai hat das Institut geprägt; sie war an der Gestaltung des Gebäudes und des Campus beteiligt, richtete die Bibliotheken ein und wählte die Dozent/innen aus. Sie blieb der in Indien sehr einflussreichen Designhochschule bis Anfang der Siebzigerjahre eng verbunden. In den letzten Jahrzehnten ihres Lebens leitete sie die Galerien der Sarabhai Foundation und das Calico Textile Museum. Gira Sarabhai ist am 15. Juli im Alter von 97 Jahren in ihrem Haus in Ahmedabad im indischen Bundesstaat Gujarat gestorben.


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