An der Wasseroberfläche treibende Menschen sammeln sich an kurvenähnlichen Linien, sogenannten TRAPs, Bild: George Haller/ETH Zürich

Innovatives System für Seenotrettung. Forscher haben neue Berechnungsmethode entwickelt

Bei Schiffsunfällen oder Flugzeugabstürzen ertrinken jedes Jahr zahlreiche Menschen auf dem offenen Meer. Die Rettung gestaltet sich schon deshalb schwierig, weil den Rettern nur wenig Zeit bleibt, die auf dem Wasser treibenden Menschen zu bergen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, eine Person lebend zu finden, doch nach sechs Stunden signifikant. Neben den Gezeiten und wechselhaften Wetterbedingungen erschweren auch instabile Küstenströmungen die Rettungsaktionen. An der ETH Zürich und am MIT in Boston haben Forschende nun eine Berechnungsmethode entwickelt, um die Suche bei der Seenotrettung zu beschleunigen. Ein internationales Team unter der Leitung von George Haller, Professor für nichtlineare Dynamik an der ETH Zürich, hat bislang angewendete Suchstrategien mit neuen Erkenntnissen zu instabilen Strömungen erweitert. So wurde auf der Basis von Daten der Küstenwache ein Algorithmus entwickelt, der voraussagen kann, wohin Menschen und Objekte an der Meeresoberfläche getrieben werden. Bisher wird anhand von aufwendigen Modellen der Meeresdynamik und des Wetterberichts der Weg, den ein treibendes Objekt zurücklegt, vorausgesagt, was in Küstengewässern oft nur ungenau möglich ist. Die Folge: Es wird am falschen Ort mit der Suche begonnen und so entscheidende Zeit verloren. Nun haben die Forschenden durch Berechnungen entdeckt, dass sich Objekte, die an der Meeresoberfläche treiben, an bestimmten kurvenähnlichen Linien sammeln. Diese sogenannten TRansient Attracting Profiles (TRAPs), also Profile mit vorübergehender Anziehung, sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, können aber mit dem neuen Algorithmus ermittelt werden. Dadurch können Routen für Rettungseinsätze schneller und präziser geplant werden. Bei einem erfolgreichen Test des Suchalgorithmus in der Nähe von Martha’s Vineyard vor der amerikanischen Nordostküste konnte beobachtet werden, wie sich die ausgesetzten Bojen und Testpuppen entlang der berechneten Kurven sammelten. Ein weiterer Vorteil der Methode bestehe darin, dass sich auch größere, auf der Meeresoberfläche treibende Objekte wie zum Beispiel die Ausbreitung eines Ölteppichs, berechnen ließen.

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