Mindworks: The Science of Thinking, © Pentagram, 2021

Was fühlt sich wahr an? Was passiert, wenn Details unsere Entscheidungsfindung beeinflussen? Wer handelt risikofreudig? Wann täuschen uns unsere Augen? Was von einer Speisekarte soll man bestellen, wenn alles gut aussieht? Was soll man sich auf Netflix ansehen, wenn man im Grunde schon alles gesehen hat? Sich zu entscheiden, gestaltet sich oft schwierig. Die Ausstellung „Mindworks: The Science of Thinking“ zielt darauf ab, die Vorstellungen der Besucher davon zu hinterfragen, wie rational sie bei Entscheidungen vorzugehen glauben. Gleichzeitig sollen sie mit Erkenntnissen der Verhaltenswissenschaft vertraut gemacht werden.

Konzipiert und umgesetzt wurde Mindworks von den Partnern des Designstudios Pentagram, Giorgia Lupi, Abbott Miller und Luke Hayman. Es ist das weltweit erste interaktive Museum und Arbeitslabor, das sich der Verhaltenswissenschaft widmet und vom Center for Decision Research an der University of Chicago Booth School of Business betrieben wird. Da „Lernen durch Handeln“ eines der wichtigsten Prinzipien sei, so Lupi, haben sich die Gestalterinnen und Gestalter für ein analoges interaktives Erlebnis anstelle eines Bildschirmerlebnisses entschieden: „Da diese Exponate taktil sind“, so Lupi, „ist die Einladung, Antworten zu geben, warm und menschlicher“. Auf dieser Basis hat Lupi eine Reihe von interaktiven Experimenten entworfen, die es den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, Konzepte der Verhaltenswissenschaft auszuprobieren und gleichzeitig Daten für die Forschenden zu sammeln. So schlägt das Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe. Miller war für das Designsystem verantwortlich, Hayman hat die visuelle Sprache entworfen.

Viele Experimente basieren auf den Konzepten von Richard H. Thaler, einem Wirtschaftsnobelpreisträger, der den Begriff „Nudges“ geprägt hat. Er beschreibt eine Methode, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Zum Beispiel könnte, statt Junkfood zu verbieten, Obst im Supermarkt in Augenhöhe präsentiert werden. Die Ausstellung bezieht sich auf derartige Theorien und schafft dabei eine spielerische Atmosphäre, die zum Mitmachen und dazu anregt, über eigene Ziele und die Stolpersteine nachzudenken, die einen davon abhalten, sie zu erreichen. „Unsere Herangehensweise an den Raum und die Materialien“, erklärt Miller, „bestand darin, das Gefühl eines Arbeitslabors zu schaffen, das flexibel genug ist, um sich über Nacht zu verändern, sich weniger wertvoll anfühlt und sich ständig weiterentwickelt.“

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