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Kurz nach der Teilung Indiens und der Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft soll am Fuße des Himalayas aus dem Nichts eine neue Hauptstadt für den Punjab gebaut werden. Lahore, die alte Hauptstadt, war bei der Teilung Pakistan zugefallen. 1951 beauftragten indische Regierungsvertreter den Architekten Le Corbusier, an dem ambitionierten Vorhaben mitzuarbeiten. Die Planstadt Chandigarh, rechtwinklig angelegt und komplett durchgestaltet, entfaltet mit ihren Freiräumen, Parks und Schwimmbädern, mit ihren geschützten Bäumen, Kulturbauten, Universitäten und Gotteshäusern eine ganz eigene Atmosphäre. Sie steht bis heute für die neue indische Demokratie, für Fortschritt und den Glauben an die Zukunft. Für Le Corbusier bot Chandigarh im fernen Indien die einmalige Gelegenheit, seine städtebaulichen Ideen umzusetzen und eine moderne, am Maß des Menschen orientierte Stadt zu realisieren. Entstanden ist ein umstrittenes Gesamtkunstwerk mit Licht- und Schattenseiten.

Was ist nach 70 Jahren aus Corbusiers avantgardistischer Vision geworden? Welche Bedeutung kommt ihr für unsere Gegenwart zu? Der Film „Kraft der Utopie – Leben mit Le Corbusier in Chandigarh“ der Schweizer Filmemacher Karin Bucher und Thomas Karrer, so die Ankündigung, „beleuchtet aus einer europäischen Perspektive ein diverses Indien und geht den Fragen nach: Wie verflochten ist unsere Gesellschaft wirklich mit der Architektur und was können wir heute von Chandigarh lernen?“. Dazu begleitet der Film „Menschen auf ihren Wegen durch die Stadt und sucht Orte und Schauplätze auf, an denen sich das schillernde Zusammenspiel von altem Traum und neuem Leben, von Utopie und Alltag, von Zerfall und leiser Poesie zeigen“. Ein Zeitzeuge erinnert sich an die Gründerzeit, die Direktorin des Le Corbusier Centers, ein Künstler, ein Schauspieler und ein Architekt erzählen „vom Wagnis, sich hier niederzulassen und reflektieren ihr Leben in und mit Chandigarh.“ Zudem treffen die beiden Filmschaffenden auf ihren Streifzügen durch Chandigarh Bewohner*innen, die ihren Blick auf die Stadt erweitern und sie in das alltägliche Leben eintauchen lassen, das sich die Bauten angeeignet hat. Indem der Film in eine andere Kultur einlässt, schärft er den Blick für die fremde und die eigene Realität.

Karin Bucher und Thomas Karrer wurden für ihr facettenreiches Porträt der als Gartenstadt konzipierten „Beautiful City“ vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis für den besten Film beim „Venice Architecture Film Festival“. Nach zahlreichen Vorstellungen in der Schweiz und dem Kinostart in Deutschland ist „Kraft der Utopie“ noch in einigen Kinos zu sehen; in Österreich startet der Film am 5. April.


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