Ob aus Protest oder wegen der verhängten Sanktionen – seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine haben viele Unternehmen und Marken ihre Geschäfte in Russland eingeschränkt oder sich komplett zurückgezogen. Auch der Rat für Formgebung verurteilt den Angriff Russlands gegen die Ukraine und hat aus diesem Grund seine Geschäftstätigkeit mit russischen Unternehmen bis auf Weiteres eingestellt. Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge hängen insgesamt 250.000 Vollzeitstellen bei Unternehmen in Deutschland von Exporten nach Russland ab. 2021 hätten sich die Ausfuhren nach Russland auf einen Wert von 26,6 Milliarden Euro summiert. Laut einer Übersicht der ARD-Tagesschau haben (Stand 10. März) folgende Unternehmen entsprechende Maßnahmen ergriffen:

Automobilsektor

Der Volkswagen-Konzern hat Exporte nach Russland mit sofortiger Wirkung gestoppt. Die Fertigung an den Standorten Kaluga und Nischni Nowgorod wird bis auf Weiteres eingestellt. Fertig produzierte Fahrzeuge, die bereits in Russland sind, werden nicht mehr an dortige Händler ausgeliefert. Daimler Truck will seine Geschäftsaktivitäten in Russland einstellen und die Kooperation mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz beenden. Der Mutterkonzern der Daimler-Lkw-Sparte, die Mercedes-Benz Group, beabsichtigt, ihre Beteiligung von 15% an Kamaz zu verkaufen. Zudem stellt der Konzern bis auf Weiteres den Export von Pkw und Vans nach Russland sowie die Fertigung in Russland ein. BMW verzichtet ebenfalls auf den Export nach Russland und will die Produktion in den dortigen Werken beenden. Renault hat seine Aktivitäten in russischen Werken wegen logistischer Engpässe eingeschränkt. Volvo, eine Tochter des chinesischen Fahrzeugkonzerns Geely, liefert seine Autos bis auf Weiteres nicht mehr nach Russland. General Motors (GM) hat ebenso einen Exportstopp angekündigt wie Jaguar Land Rover und Aston Martin. Ferrari und die Volkswagen-Tochter Lamborghini ziehen sich ebenfalls zurück. Ford hat seinen Joint-Venture-Partner Sollers über das Aussetzen seines Russlandgeschäfts informiert. (Das Joint Venture stellt das russische Vorzeigemodell „Aurus Senat“ her, das auf besonderen Wunsch des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin entwickelt wurde.) Weltmarktführer Toyota stellt die Produktion in seinem Werk in St. Petersburg wegen Störungen der Lieferkette bis auf Weiteres ein. Aus demselben Grund erwägt Mitsubishi Produktion und Verkauf in Russland einzustellen. Auch der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental stoppt seine Produktion und stellt das Im- und Exportgeschäft ein.

Ernährung

Die US-Konzerne McDonald‘s, Starbucks und Coca-Cola stellen den Betrieb in Russland vorerst ein. PepsiCo will sein Geschäft stark einschränken, Investitionen sowie Werbe- und Marketingaktivitäten in Russland stoppen. Auch die niederländische Brauerei Heineken beendet Produktion, Werbung und Verkauf seiner Marken in Russland. Der Lebensmittelkonzern Danone setzt alle Investitionen in Russland aus. Produktion und der Vertrieb von frischen Milchprodukten und Säuglingsnahrung werden aufrechterhalten.

Finanzen

Zahlreiche Banken, Wirtschaftsprüfer, Fond- und Investmentgesellschaften stellen ihre Zusammenarbeit mit russischen Banken ein. Visa, Mastercard und American Express haben ihre Geschäfte ebenso ausgesetzt wie der Bezahldienst PayPal. Die US-Ratingagentur Fitch hat die Bewertung von Bonitäten und andere Dienstleistungen in Russland mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Energie

Der britische Energiekonzern BP trennt sich von seiner Beteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft. Shell will künftig kein Erdöl und Gas mehr aus Russland kaufen und bestehende Verträge nicht erneuern. Alle Tankstellen in Russland werden geschlossen, Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom und zugehörigen Firmen aufgegeben. Der US-Ölkonzern ExxonMobil zieht sich ebenfalls aus dem russischen Öl- und Gasgeschäft zurück. Der französische Konzern Total will kein Kapital mehr für neue Projekte in Russland bereitstellen, und der norwegische Energiekonzern Equinor wird sich von seinen Gemeinschaftsunternehmen in Russland trennen. Der österreichische Energiekonzern OMV hat seine Pläne, sich an einem Gasfeldprojekt von Gazprom zu beteiligen, aufgegeben und prüft seine Rolle bei der Gaspipeline Nord Stream 2. Auch Uniper will keine neuen Investitionen in Russland tätigen.

Handel

Der schwedische Möbelhändler Ikea stoppt vorrübergehend alle Ex- und Importe in und nach Russland und Belarus. Dasselbe gilt für die Produktion in Russland, wovon 15.000 Angestellte betroffen sein sollen. Die Handelsketten REWE, deren Tochter Penny, Aldi und der Discounter Netto des Edeka-Konzerns, wollen keine Produkte mehr verkaufen, die in Russland hergestellt worden sind. Die Baumarkt-Kette Obi, die in Russland nach eigenen Angaben 27 Baumärkte mit 4.900 Mitarbeitern unterhält, stellt ihr Geschäft ein. Der Onlinehändler Amazon stoppt den Versand von Produkten an Privatkunden in Russland und Belarus.

Industrie

Siemens Energy hat sämtliches Neugeschäft in Russland gestoppt. Der frühere Mutterkonzern Siemens hat alle neuen Geschäfte und internationalen Lieferungen nach Russland eingestellt. Lokale Service- und Wartungsaktivitäten sollen unter Einhaltung der Sanktionen fortgesetzt werden. Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse zieht sich aus seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz zurück und hat alle Lieferungen mit Ziel Russland gestoppt. Auch einer der weltgrößten Mischkonzerne General Electric (GE), zieht sich zurück; ausgenommen sind unverzichtbare medizinische Ausrüstung sowie der Support bestehender Energienetze.

Konsum

Der Sportartikelhersteller Adidas hat seine Partnerschaft mit dem Russischen Fußballverband und den Betrieb der eigenen Läden und des Onlinehandels in Russland bis auf Weiteres eingestellt. Der US-Konkurrent Nike verkauft in Russland keine Waren über seine Website und App. Puma stellt den operativen Betrieb ebenso ein wie der schwedische Modekonzern Hennes und Mauritz (H&M). Der französische Luxusmarken-Hersteller LVMH schließt seine 124, Hermès seine drei Läden in Russland, darunter den im berühmten Moskauer Kaufhaus Gum am Roten Platz. Auch der Luxuskonzern Kering, das italienische Modehaus Prada, der Jeanshersteller Levi Strauss & Co. und der Modekonzern Hugo Boss kündigten einen Verkaufsstopp an.

Logistik

Die US-Paketdienstleister UPS und FedEx setzen Lieferungen nach Russland und die Ukraine aus. Die Deutsche-Post-Tochter DHL befördert keine Sendungen mehr nach Russland. Auch Transportleistungen in die und aus der Ukraine wurden gestoppt. Reedereien wie Maersk und Hapag Lloyd sowie der Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel haben Fahrten von und nach Russland weitegehend ausgesetzt.

Luftfahrt

Die Lufthansa fliegt Russland nicht mehr an. Airbus und Boeing stellen ihre Lieferungen an russische Fluggesellschaften ein. Auch der kanadische Flugzeugbauer Bombardier legt sämtliche Aktivitäten mit russischen Kunden auf Eis. Das weltweit größte Flugzeugleasingunternehmen Aercap Holdings verzichtet auf Leasinggeschäfte mit russischen Fluglinien, und der Flughafenbetreiber Fraport lässt seine Aktivität in St. Petersburg ruhen.

Medien

Zahlreiche Sociel Media-Kanäle ud Streaming-Dienste ziehen sich infolge des Kriegs gegen die Ukraine aus Russland zurück
Foto: Pinho

Die Hollywood-Studios Warner Brothers, Disney und Sony Pictures setzen Filmstarts in Russland aus. Die Universal Music Group schließt ihre Büros und legt ihre Geschäfte auf Eis. Der Streaming-Anbieter Netflix stellt den Betrieb ein, TikTok will Live-Streams und die Verbreitung neuer Videos in Russland aussetzen. Der über die App in Russland angebotene Messaging-Dienst bleibe davon unberührt. Der japanische Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony setzt die Lieferung seiner Playstation-Konsole und zugehöriger Spiele aus; Konkurrent Nintendo stoppt den Versand aller Produkte nach Russland.

Technologie

Apple setzt den Verkauf aller Produkte in Russland aus und schränkt Apple Pay und andere Dienste ein. Eine Änderung im Apple-Kartendienst Maps soll der Ukraine im Krieg gegen Russland helfen: Die App zeigt für die Ukraine keine Echtzeit-Informationen zur Verkehrslage mehr an, aus der Rückschlüsse auf Truppenbewegungen gezogen werden können. Google hatte eine entsprechende Funktion in Google Maps ebenfalls deaktiviert. Google setzt zudem sein Anzeigengeschäft in Russland bis auf Weiteres aus und hat Apps, die mit den russischen Sendern RT und Sputnik verbunden sind, in seinem Play Store blockiert; den Sendern nahestehende Kanäle auf YouTube in Europa wurden gesperrt. Auch Microsoft will den Verkauf seiner Produkte aussetzen, die Apps von RT aus dem Windows App Store entfernen und Werbung in staatlich geförderten russischen Medien verbieten. Der Chiphersteller Intel setzt alle Lieferungen nach Russland, Belarus, und in die Ukraine aus, der US-Computerhersteller Dell den Verkauf in Russland und der Ukraine. Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung, bisher in Russland Marktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern, hat seine Lieferungen gestoppt. Und auch der deutsche Softwareanbieter SAP und sein US-Rivale Oracle setzen ihre Aktivitäten in Russland aus.


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