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Lucia Moholy: Meisterhaus Dessau (1925–1926) von Osten (Architektur: Walter Gropius)
Sammlung K, courtesy Galerie Derda Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Gibt es im Jahre Drei nach dem hundertjährigen Bauhaus-Jubiläum noch Neues zu entdecken? Das Bröhan Museum, Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus, sagt ja – und präsentiert vom 1. Oktober 2022 bis 22. Januar 2023 die Ausstellung „Lucia Moholy – Das Bild der Moderne“. Lucia Moholy – Moment, das ist dann wohl die Frau von…? Genau, und hier setzen die Kurator/-innen an. Denn dass die Fotografin und Publizistin kaum bekannt ist, beruht, so die These, auf einer Reihe komplexer politischer und sozialer Umstände.

Dabei gehen Lucia Moholys Bilder bis heute um die Welt. Mit ihren Aufnahmen der Bauhausgebäude prägte sie das Bild der Kunstschule in der Öffentlichkeit. Als Paar lebten Lucia und László Moholy-Nagy am Bauhaus, dort leistete sie wichtige Arbeit für die Institution selbst und zahlreiche ihrer Künstler. Die hohe Qualität ihrer Fotos, die sich auch Moholys technischer Versiertheit verdankt, ermöglichte die bis dahin beispiellose Vermarktung der Bauhaus-Idee als soziale und ästhetische Bewegung.

Da Walter Gropius sie allerdings weder anstellte noch bezahlte, war sie offiziell nie am Bauhaus beschäftigt und konnte somit leicht „übersehen“ werden. In zeitgenössischen Publikationen wurden ihre Aufnahmen mal mit, mal ohne ihren Namen publiziert. Auch die gemeinsame künstlerische und theoretische Arbeit des Ehepaars Moholy-Nagy wurde nach der Trennung der beiden allein László zugeschrieben, schreibt das Museum. Mit ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland verschwand eine der besten Fotografinnen der deutschen Moderne schließlich weitgehend aus dem Blickfeld.

Die Ausstellung im Bröhan Museum, die rund 100 Fotos von privaten und öffentlichen Leihgebern sowie ausgewählte Objekte aus der Bauhaus-Zeit zeigt, lässt Lucia Moholy als eigenständige Künstlerin in Erscheinung treten. Besonderes Augenmerk wird auf ihre Zeit in Berlin gerichtet. Neben Sachfotografien der Werkstattarbeiten und Porträtserien von Bauhaus-Lehrern und Freunden gehören außerdem die Aufnahmen der Dessauer Bauhausbauten zu den Schwerpunkten ihres Schaffens. Im Rahmenprogramm verdient das offene Foto-Atelier in den Ausstellungsräumen eine besondere Erwähnung.


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