Die Konstruktionsphilosophie geht weg von einer traditionellen statischen Struktur, die alle drei Ebenen einen festen Boden und dazwischen weiche, flexible dreistöckige Volumen aufweist.
©Forbes Massie

Baugrund in Innenstädten ist notorisch knapp und in vielen Fällen auch teuer, weshalb die Lösung oft in hohen schlanken Türmen gesucht wird. Da die Gebäude in der Nutzung zudem flexibel sein und in ihrer Bauweise möglichst nachhaltig sein sollen, sind, um Abriss und Neubau zu vermeiden, alternative Lösungen gefragt. Nicht zuletzt die Pandemie und die anhaltende Tendenz zum Home-Office haben gezeigt, wie schnell sich Bedürfnisse und Anforderungen an die bestehende Bausubstanz ändern können.

Das britisch-norwegische Architekturbüro Haptic und das Ingenieurbüro Ramboll haben gemeinsam für ein Grundstück nahe der Grønland Metro-Station in Oslo ein Konzept für einen modularen Turm aus Holz entwickelt, der sich den Bedürfnissen von Städten und seiner Bewohner anpassen soll. Um das zu erreichen, sollen die einzelnen Etagen des „Regenerative High-Rise“ genannten Turms aus Modulen bestehen, die sich herausziehen und gegen andere austauschen lassen. Auf diese Weise soll sich etwa ein Bürokomplex in ein Hotel verwandeln oder in Wohnungen umrüsten lassen. Das Konzept will auch eine Antwort auf die heutige Notwendigkeit geben, Gebäude in dichten urbanen Umgebungen nachzurüsten, was bei Hochhäusern, die oft für eine bestimmte Funktion konzipiert sind, auf erhebliche Schwierigkeiten stößt.

Ob Frisch- und Abwasseranlagen, Strom- und Wärmeversorgung, alles soll in das Basisgerippe des Gebäudes integriert sein und nach einem Plug-and-Play-Prinzip funktionieren. Die um den Kern herum entstehenden Plattformen gleichen kurz gesagt Fachböden eines Regals. In dessen oberen Teil können je nach Bedarf Module eingeschoben werden, die sich über drei Etagen erstrecken. Im Mittelteil sollen ein- und zweistöckige Module integriert werden können, die sich flexibel miteinander mischen und verbinden lassen – von Wohneinheiten für Singles bis zu Wohnungen für Großfamilien und Wohngemeinschaften, die sich über zwei oder drei Etagen erstrecken. Denkbar sind auch Module für Freiluftbereiche, kleine Gärten oder Stadtfarmen. Das „Regenerative Hochhaus“ soll aber nicht nur wandlungsfähig sein, sondern in seiner Bauweise auch möglichst nachhaltig. Deshalb sollen sowohl für die Konstruktion der Tragstruktur als auch der Module soweit als möglich langlebige und feuerfeste Holzverbundwerkstoffe verwendet werden. Lediglich für die zentralen Pfeiler und die Fundamente wären Stahl und Beton notwendig.

Ob das Regenerative Hochhaus in Oslo tatsächlich realisiert werden kann, ist noch offen. Das Team will das Projekt in jedem Fall weiterentwickeln und die Möglichkeiten, das Potential und die Machbarkeit eines solch modularen Turmbaus in einer Studie zusammenfassen.


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