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© lepoix-archiv
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Selbst in rauchfreien Zeiten kennt fast jeder das BIC-Einhandfeuerzeug (1971). Und zumindest die Älteren werden sich noch an die in langen Reihen auf städtischen Gehwegen paradierende Kienzle-Parkuhr (1956) erinnern. Die erste Unterarmgehstütze der Welt, ein Bugatti T 101, das Puch-Maxi, der Steyr Citybus, Motorräder und Motorroller (darunter die Kreidler Florett), ebenso LKWs, Kleinhubschrauber, Traktoren, Baumaschinen, Haushalts- und Elektrogeräte, Schreibmaschinen, Fotoapparate – alles das und vieles mehr wurde von Louis Lucien Lepoix (1918 bis 1998) entworfen. Den Namen kennen nur wenige, die rund 3000 Produkte, die der Industriedesigner in fünf Jahrzehnten gestaltet hat, vielfach schon.

Nun zeigt das designforum Wien vom 9. Dezember bis zum 11. Februar 2024 unter dem Titel „Louis Lucien LEPOIX. Mit dem Citybus zur Windturbine“ eine umfassende Schau zum Schaffen des produktiven Universalisten. Die Ausstellung, so heißt es in der Ankündigung, sei ein erstes Kennenlernen mit dem Designer Lepoix (der oft L3 genannt wird) und seinem umfangreichen Werk. Gezeigt werden „für L3 typische Produkte, Techniken, Modelle und insbesondere seine Visionen als Gestalter, der sich frühzeitig mit Universal Design und alternativen Energiegewinnungen befasst“ habe. Die Präsentation hat sieben Themenschwerpunkte und soll in den kommenden Jahren auch in Deutschland, Frankreich und Asien gezeigt werden. Die Ausstellungs-Tour geht ebenso wie das Lepoix-Archiv auf die Initiative eines 2021 gegründeten Vereins zurück, dessen Ziel es ist, „durch hochwertige Ausstellungen weltweit die bekannten Produkte mit Lepoix zu verbinden, um die Gestaltungsfreude, Designkompetenz aber vor allem seine Visionen einem breiten, auch jungen Publikum zu vermitteln“. Möglich geworden sei die Schau durch die jahrelange Archivarbeit von Erika Kübler, der „Grande Dame“ an der Seite von L3.

Der französische Ingenieur und Formgestalter gilt heute als einer der produktivsten Industriedesigner der Nachkriegszeit. Lepoix hat 1947 in Friedrichshafen am Bodensee die ersten Fahrzeuge zu zeichnen begonnen; 1952 wählte er (aus Mangel an Aufträgen in Frankreich) Baden-Baden als Wohn- und Arbeitssitz. Von dort aus arbeitete sein Design-Studio „Form Technic International“, das später Filialen in Paris und Barcelona unterhielt, u. a. mit renommierten Automobilbauern jener Jahrzehnte zusammen. Unter dem Eindruck der Ölkrise wandte sich L3 dem ökologischen Design zu. Für die urbane Mobilität entwarf er den Kleinwagen „Urbanix“ (1972) sowie zahlreiche, fantastisch anmutende Windkraft- und Solaranlagen. Bis zu seinem Tod 1998 wurden seine Entwürfe mit über 300 internationalen Designpreisen ausgezeichnet; 1984 wurde der FZR-Servierwagen „Side-car“ in die Design-Sammlung des Museums of Modern Art aufgenommen.

Im Rahmen der Ausstellung findet am 8. Dezember im designforum Wien zudem die Tagung „Die Wiederentdeckung des französischen Industriedesigners Louis L. Lepoix (1918-1998)“ statt, veranstaltet von designaustria in Kooperation mit der Gesellschaft für Designgeschichte und dem Lepoix-Archiv e.V. Da sich in der Datenbank der französischen Designmuseen „Les Collections Design“ bezeichnenderweise kein einziger Entwurf von Lepoix findet, widmet sich die Tagung am Beispiel von Louis L. Lepoix dem internationalen Einfluss des französischen Industriedesigns. In den Vorträgen kommen Themen zur Sprache wie „L3 und der Automobilindustrie-Wandel“, der Steyr City-Bus und das Design des Steyr-Puch „Pinzgauer“, „L3 Design in Miniaturmodellen“, „Lepoix und Universaldesign“ sowie „das LEPOiD: mein Freund der Wind“.


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