Ausstellung von Studierenden im Kunstmuseum Stuttgart: Protestbereitschaft. Zeitgenössischer Aktivismus zwischen Haltung und Stil
Blerta Osmani, Wenn Reden nicht mehr hilft, 2021, © Blerta Osmani

Protestbewegungen brauchen Symbole, Signale, am besten ein unverwechselbares Design. Das gilt umso mehr in einer Gesellschaft, in der durch mediale Kommunikation Aufmerksamkeit erzeugt wird. Eine enge Verbindung aus Agitation, Ästhetik und Mode ist nicht erst seit der Terrorzelle „Rote Armee Fraktion“ sprichwörtlich, die aufgrund des Modebewusstseins von Andreas Baader statt Baader-Meinhof-Gruppe auch gern Prada-Meinhof-Gruppe genannt wurde. Ob in Deutschland oder in anderen Ländern Europas – die Kultur des Protests hat eine lange Tradition. Heute gehen als Teil einer gelebten Demokratie Bürgerinnen und Bürger auf die Straße, um sich politisch zu artikulieren. Bewegungen wie Fridays for Future, Stuttgart 21, die Besetzung des Hambacher Forsts, aber auch Pegida und der Aufmarsch rechtsradikaler Bündnisse, sind, oft verstärkt durch Social Media, aus der politischen Kultur des 21. Jahrhunderts ebenso wenig wegzudenken wie ihre Slogans, Buttons und Transparente. Aber auch Absperrungen, Menschenketten, Mahnwachen, Megaphone, Pfeifkonzerte, gelbe Westen, Fackeln und Kerzen sind ein Teil der ästhetischen Zeugnisse einer Protestkultur.

Seit vergangenem Jahr haben Studierende der Klasse des Künstlers Christian Jankowski an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gemeinsam mit dem Theoriedepartment und dem 4. Semester des Studiengangs Mode der Hochschule Pforzheim ganz unterschiedliche Interventionen zum Thema Protestkulturen entwickelt. Einige werden unter dem Titel Protestbereitschaft. Zeitgenössischer Aktivismus zwischen Haltung und Stil vom 22. Dezember bis zum 16. Januar 2022 im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt. Das Kampagnenmotiv zur Ausstellung stammt von Jina Shin. Ihre Fotoarbeit „Schlaf in Frieden“ zeigt eine nächtliche Szenerie, bei der eine liegende maskierte Sexpuppe von einer „Guy Fawkes“-Masken tragenden „Meute beglotzt wird“. Die Inszenierung, heißt es in der Ankündigung, wecke nicht nur Erinnerungen an Goyas Caprichos und seine schwarzen Bilder, sie mache uns alle auch „zu unschlüssigen Voyeur/innen“. Weg- und Hinsehen ziehe sich wie ein Leitmotiv durch die künstliche Protestbewegung, das Ausstellungskonzept und viele der gezeigten Arbeiten.

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