© Loon

Was macht ein Ballon, der fast ein Jahr lang durch die Stratosphäre driftet? Anfang dieses Jahres stellte ein System von Loon mit 312 Tagen einen neuen Flugdauerrekord auf. HBAL703 startete im Mai 2019 von Puerto Rico aus, navigierte nach Peru, leistete drei Monate lang Testdienste, wurde anschließend nach Süden geschickt, umrundete den Globus und landete schließlich im März 2020 in Baja, Mexiko. Das Flugsystem, das eher einer ballonbasierten Höhenplattform (HAP) als einem herkömmlichen Stratosphärenballon gleicht, stellte aber nicht nur unter Beweis, wie robust und zuverlässig solche „kürbisförmigen“ Systeme funktionieren, wenn sie während ihres Fluges permanent überwacht werden: Automatisierte Systeme schätzen die Auftriebsgasmengen im Ballon und passen die Ballastmenge während des gesamten Fluges an, um sicherzustellen, dass die Hülle nicht überlastet wird, wenn die Sonne auf den Ballon scheint und der Druck im Balloninneren ansteigt. Umgekehrt wählt das Navigationssystem Flughöhen, in denen der Ballon warm genug bleibt, damit er in der Nacht, wenn die Stratosphäre sehr kalt ist, unter Druck bleibt.

Nutzen versprechen derartige Langzeitflüge vor allem in Sachen Konnektivität, da von einem Ballon aus z. B. Internetverbindungen für abgeschiedene Regionen auf der Erdoberfläche hergestellt werden können. Längere Flugzeiten führen einerseits zu niedrigeren Kosten pro Flugstunde; andererseits können durch längere Loon-Flüge auch abgelegene Orte erreicht werden. Oder ein Ballon verbleibt an einem Ort, z. B. in der Mitte des Pazifischen Ozeans, der normalerweise nur schwer und über längere Zeiträume zu erreichen ist. Das alles, so das Unternehmen, trage dazu bei, dass Mobilfunkmasten am Himmel verteilt werden und „eine neue Schicht der Konnektivitätstechnologie in der Stratosphäre“ aufgebaut werden kann, um Regionen zu verbinden, die bislang als nicht versorgbar galten. Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, weitere Möglichkeiten einer Nutzung der Stratosphäre zu erkunden, um einen Markt für die Telekommunikation, hochauflösende Erdbeobachtung sowie Wettervorhersage und -modellierung zu erschließen. Zu diesem Zweck hat Loon die HAPsAlliance mitbegründet, eine Gruppe von Telekommunikations-, Satelliten-, Luftfahrt- und Technologieunternehmen, die bei der Erforschung und dem Wachstum einer neuen Industrie helfen.

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