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Repair Revolution! Das Zürcher Museum für Gestaltung skizziert eine Reparaturgesellschaft.
goodlife ceramics, Scherben, Tellerstücke neu glasiert für Maison Manesse, Zürich, 2017-2023, Foto: Stefan Burger/Aio Frei
Bridget Harvey, MEND MORE Jumper, 2022/23
BOKJA, BOKJA mends, Beirut, 2020, Foto: BOKJA

Wer schon einmal versucht hat, ein defektes Haushaltsgerät wieder funktionstüchtig zu machen (oder machen zu lassen), kennt die oft bewusst eingebauten Hürden: Schrauben mit Köpfen, die nur zum Hinein-, aber nicht zum Herausdrehen geeignet sind, Gehäuse, die sich nur um den Preis ihrer Zerstörung öffnen und Teile, die sich weder austauschen noch instand setzen lassen. Während in der vorindustriellen Gesellschaft sowie in Krisenzeiten das Reparieren von Dingen alltäglich und notwendig war, wird in westlichen Ländern heute häufig darauf verzichtet. Dass sich in manchen Fällen nicht einmal mehr ein defektes Netzkabel ersetzen lässt, spricht nicht nur für „geplante Obsoleszenz“. Sondern es hat, da selbst bei kleinen Defekten gleich das ganze Gerät auf den Müll wandert, einen inakzeptablen Verbrauch von Ressourcen, Energie und Emissionen zur Folge. Die Aufgabe für Designer*innen liegt auf der Hand: Abhilfe schaffen durch von Beginn an reparaturfreundlich gestaltete Produkte.

Pünktlich zum Vorschlag der EU-Kommission, den Verbraucher*innen in Europa ein „Recht auf Reparatur“ einzuräumen, zeigt das Zürcher Museum für Gestaltung, dass es auch anders geht: Die Ausstellung „Repair Revolution!“ präsentiert vom 31. März bis zum 15. Oktober im Toni-Areal die Vision einer Reparaturgesellschaft. Die Schau untersucht, welche Rolle das Design auf dem Weg dahin spielt. Aufgezeigt werden soll, dass Reparieren keine Notlösung, sondern eine ernst zu nehmende kulturelle, soziale und ökonomische Praxis ist, die einen Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft bietet. Dazu zeichnen fünf thematische Bereiche mittels einer Auswahl von nationalen und internationalen Projekten ein Bild von Initiativen und Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. „Made to Break?“ führt die Müllproblematik vor Augen; „Pièces de Résistance“ zeigt die Schönheit reparierter Gegenstände aus verschiedensten Zeiten und Kulturkreisen auf; im Bereich „Radikal reparabel“ wird gezeigt, dass Reparierbarkeit eine Designaufgabe ist; „Reparatur-Material total“ spannt einen Bogen von Materialinnovationen zu bekanntem Flickzeug; und „Repair-it-together“ präsentiert Initiativen und Kollektive, die Reparieren als gemeinschaftliche, postkapitalistische Praxis begreifen.

Auch ganz praktisch wird geholfen: Das Publikum ist eingeladen, in der Ausstellung „Repair Revolution!“ selbst aktiv zu werden. Eine offene Werkstatt mitten im Raum bietet Anregungen und Material zum kreativen Flicken und Stopfen von Textilien. Hier kann man sich nicht nur über empfehlenswerte Reparaturorte in Zürich austauschen. Jeden ersten Dienstagnachmittag im Monat wird das Museum tatsächlich zur Reparaturwerkstatt, in der Profis zeigen, wie es geht. Persönliche Gegenstände, die repariert werden sollen, können mitgebracht werden. Ergänzt wird das Ganze durch zahlreiche Gespräche und Führungen.


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