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Anlässlich des 100. Bauhaus Jubiläums 2019 wurde die ungewöhnliche Verbindung von Industrie und Avantgarde in dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Bauhaus und Textilindustrie“ im Krefeld Pavillon von Thomas Schütte von der Initiative Projekt MIK erstmals öffentlich vorgestellt und in einem Buch dokumentiert. Nun stellt unter dem Titel „Seide und Moderne“ ein online verfügbarer Architekturguide Krefeld Gebäude, Institutionen und Personen vor, die vom produktiven Zusammenwirken der Seidenindustrie mit Vertreterinnen und Vertretern der Moderne zeugen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit erzählen 75 Bauten und 65 Biografien von der produktiven Kooperation von Industrie, Kultur und Stadt.

Die von Mies van der Rohe für die Seidenfabrikanten und Kunstsammler geplanten und heute als Ausstellungshäuser genutzten Krefelder Häuser Lange und Esters kennen viele. Auch das 1906 auf Initiative des Museumsdirektors Friedrich Denken von Josef Maria Olbrich erbaute, gelb verputzte Atelierhaus in der Hüttenallee 150, dessen erster Bewohner der Maler und Gestalter Jan Thorn Prikker war, mag dem oder der einen oder anderen bekannt sein. Krefeld hat architektonisch freilich viel mehr zu bieten. So beauftragte etwa Rudolf Oetker in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre August Biebricher mit der Ausführung seines Wohnhauses an der Hohenzollernstraße. Und der Kaufmann Johann Hilsenbeck, Inhaber einer Versicherungsagentur, beauftragte 1930 den Krefelder Architekten Josef Janssen, der sich als Vertreter der Backstein-Moderne einen Namen gemacht hatte, mit der Planung seines Wohnhauses. Und noch 1950 beauftragte die Vereinigte Seidenwebereien AG mit dem Anspruch „Wir sind Avantgarde!“ Egon Eiermann mit der Planung ihrer Hauptverwaltung, nachdem Mies van der Rohe die Ausführung seines Entwurfs von 1937 ausgeschlossen hatte.

Repräsentative Villen, spektakuläre Fabrikgebäude, zeittypische Wohn- und Verwaltungsbauten sowie einst zukunftsweisende Büro- und Hochschulbauten – in Krefeld erinnern viele Gebäude an die Hochphase der Industrialisierung und die hier vorherrschende Seidenindustrie. Die Vertreter dieser stets auf Innovation und zeitgemäße Gestaltung bedachten Branche pflegten Kontakte zur zeitgenössischen Avantgarde, beauftragten und beschäftigten Künstler/innen, Gestalter/innen und Architekt/innen, die für ihre moderne Handschrift bekannt waren, darunter viele Lehrer/innen und Absolvent/innen des Bauhauses. Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Lilly Reich, Georg Muche und viele andere schufen bedeutende Architekturen, prägten das Textildesign und revolutionierten die Ausbildung der Gestalter/innen. Hans Poelzig, Egon Eiermann und Bernhard Pfau bauten ebenso in Krefeld für die Seidenindustrie wie lokale Architekten wie Josef Janssen, August Biebricher, Ernst Schäfer oder der Bauhäusler Hans Volger.

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