Das Start-up SpinLaunch hat eine Rakete mit einer riesigen Zentrifuge in die Luft geschossen.
© 2021 SpinLaunch

Der Zugang zum Weltraum wird – für Nationen ebenso wie für Unternehmen – immer wichtiger. In der Folge wächst der Bedarf an Satelliten ständig. Wer seinen Satelliten dann in eine Umlaufbahn befördern will, muss sich entscheiden, auf welchem Weg und mit welcher Technologie er ins All geschickt werden soll. Größere Satelliten und Astronauten werden bisher mit senkrecht startenden Trägerraketen auf Kurs gebracht. Cubesats und andere kleine Satelliten können alternativ auch mit Flugzeugen auf eine bestimmte Flughöhe gebracht werden, von wo sie dann mit kleineren Raketen starten. Um eine Alternative zu schaffen und Raketenstarts sauberer und günstiger anbieten zu können als mit den bekannten Antriebssystemen, will das US-Unternehmen SpinLaunch Satelliten mit einer riesigen Zentrifuge ins Weltall schießen. Im Oktober wurde auf dem Gelände des Spaceport America in New Mexico der Prototyp seines Rotationsbeschleunigers für suborbitale Starts erfolgreich getestet.

Die Idee, Nutzlasten in den Orbit zu feuern, ist nicht neu. Schon früher wurde an Kanonen geforscht, die Satelliten oder Raumschiffe mit Gasdruck oder Magnetschienen ins Weltall katapultieren sollten. SpinLaunch setzt nun auf eine große Zentrifuge, die jenen Apparaturen gleicht, in denen Kampfpilot/innen und Astronaut/innen darauf getestet werden, wie gut sie die körperlichen Belastungen rascher Beschleunigung und hoher Geschwindigkeiten vertragen. Bei der Zentrifuge von SpinLaunch wird in der kreisrunden Beschleunigungskammer ein Geschoss von einem Kohlefaserarm so lange gedreht, bis die Startgeschwindigkeit erreicht ist. Dann wird es im Bruchteil einer Millisekunde ausgeklinkt und schießt durch eine Röhre in die Höhe, wobei es eine Plastikplane durchstößt, die die Kammer luftdicht abgeschlossen hat. Bis Objekte auf diese Weise in den Orbit befördert werden können, muss aber noch ein Problem gelöst werden: Die Satelliten müssen starken kinetischen Kräften standhalten und entsprechend konstruiert werden.

Bei dem absolvierten Test wurde ein drei Meter langes Projektil mehrere Kilometer hoch katapultiert. Nach Angaben des Unternehmens lief die Zentrifuge lief dabei nur mit ca. 20% ihrer Leistung. Um tatsächlich in den Weltraum zu gelangen, hätte man das Projektil noch mit einem Raketenantrieb ausstatten müssen, der den letzten nötigen Schub zur Überwindung der Erdanziehungskraft liefert. Die Testzentrifuge, der sogenannte Suborbital Accelerator, hat einen Durchmesser von rund 50 Metern und ist damit nur ein Drittel so groß wie das geplante finale „Zentrifugalkatapult“. Im kommenden Jahr sollen weitere Tests folgen. Bis 2024, so SpinLaunch, wolle man Starts für zahlende Kund/innen anbieten und Satelliten bis zu einem Gewicht von 200 kg ins All schicken können.

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