Sophie de Oliveira Barata u. Dani Clode, Synchronised for Kelly Knox, 2017, The Alternative Limb Project, Foto: Omkaar Kotedia

Als „Schneider von Ulm“ ist Albrecht Ludwig Berblinger (1770 bis 1829) mit seinem Flugversuch im Jahr 1811 in die Geschichte eingegangen. Weitgehend unbekannt ist eine andere Errungenschaft des berühmten Erfinders: Berblinger entwickelte bewegliche Prothesen für die versehrten Soldaten der napoleonischen Kriege und schuf damit die Grundlage für moderne Beinprothesen. Diese medizinhistorische Erfolgsgeschichte ist für das Museum Ulm im Rahmen des 250. Geburtstagsjubiläums von Albrecht Ludwig Berblinger Anlass, sich in einer kunst-, kultur- und technologiegeschichtlichen Ausstellung „der Komplementierung, Imitation und Verbesserung der menschlichen Natur, dem Wunschkörper und dem künstlichen Menschen“ zu widmen. Unter dem Titel Transhuman – Von der Prothetik zum Cyborg werden bis zum 13. Dezember in einer interdisziplinären Schau historische Prothesen und bildliche Darstellungen ihrer Anwendungen ebenso vorgestellt wie zeitgenössische Interpretationen und Visionen zur Überwindung unserer physiologischen Einschränkungen. Die Ausstellung ist für Designer schon deshalb interessant, weil Gestaltung im medizinischen Bereich besonders hohe Relevanz besitzt, aber auch Fragen zum Wandel der religiösen und sozialen Bedeutung körperlicher Versehrtheit und zur Zukunft des menschlichen Körpers, seiner Reparatur und Optimierung aufwirft. Flexible Materialien und leistungsfähige Mikroprozessoren, Aktuatoren und Brain-Computer-Interfaces haben das Verhältnis von Mensch und Maschine revolutioniert; Robotik, Prothetik, Künstliche Intelligenz und Neuro Enhancement die Grenzen des Denk- und Machbaren verschoben. Auf welche Weise zeitgenössische künstlerische Positionen das Thema reflektieren, zeigen Arbeiten u.a. von Kader Attia, Sophie de Oliveira Barata, Anna Blumenkranz, Renaud Jerez, Mari Katayama, Alexander Kluge, Erika Mondria, Aimee Mullins, Miguel Angel Rojas, Martha Rosler, Keisuke Shimakage, Igor Simić und Stelarc. Die in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd konzipierte Ausstellung wird von einer Publikation sowie von einem umfassenden Veranstaltungsprogramm begleitet.

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