Für junge Designerinnen und Designer am Beginn des Karrierewegs stehen Sichtbarkeit und das Knüpfen von Kontakten an erster Stelle. Wie wichtig sind in diesem Kontext Design-Awards? Mit dem internationalen Wettbewerb ein&zwanzig rückt der Rat für Formgebung jedes Jahr 21 Talente in den Vordergrund, nur herausragende Beispiele an Kreativität und Innovationskraft werden ausgezeichnet. Doch was sagen ehemalige Gewinner?

Für die Preisträger des Wettbewerbs öffnen sich Türen zu einer internationalen Designer-Community. Die Award-Verleihung und folgende Ausstellung finden jährlich im Rahmen des Salone del Mobile in Mailand statt und ermöglichen den Austausch mit Branchenvertretern und das Vergrößern des eigenen Netzwerks. Aber man muss nicht zu den 21 Gewinnern gehören, um Sichtbarkeit in der Community zu erlangen. Wer es auf die Shortlist schafft, wird nicht nur von der hochkarätigen internationalen Jury wahrgenommen, sondern auch vom weitreichenden Netzwerk des Rat für Formgebung. Shortlist sowie die 21 Gewinner und der/die Preisträger/in der Auszeichnung „Best of Best“ werden auf der ein&zwanzig-Website präsentiert.

Gewinner-Ausstellung ein&zwanzig 2019 in Mailand © Cortili Studio

2020 konnte die Jury aus 1.035 Einreichungen aus 74 Nationen wählen. Ein neuer Rekord! Doch stellt sich nach dem Gewinn dieses Preises wirklich der gewünschte Erfolg ein? Wir sind der Frage auf den Grund gegangen.

Moritz Putzier (links) und Andrej Kupetz, Geschäftsführer Rat für Formgebung © Daniel Banner

Moritz Putzier, Gewinner 2017

Der Designer Moritz Putzier aus Köln zählt zu den glücklichen Gewinnern des Jahres 2017. Für ihn ist eine Messepräsenz die wirkungsvollste Art der Darstellung. „Die guten Gespräche mit anderen Preisträgern und der Austausch von Erfahrungen über die Arbeitssituation sind sehr wertvoll. Ebenso wie die Diskussionen über die ausgestellten Projekte und die damit einhergehende Reflektion der eigenen Arbeit“, zieht er als Resümee. Und nicht zuletzt motivieren die vielen Kontakte aus der Fachwelt, weiterzumachen. Auch die mediale Resonanz, die ein Award nach sich zieht, kann Weichen für die Zukunft stellen. Doch das allein genügt nicht. „Ausdauer und Geduld sind notwendig, um ein Netzwerk aufzubauen“, sagt der Designer, der inzwischen das Studio Moritz Putzier gegründet hat.

Sofia Souidi © Daniel Banner

Sofia Souidi, Best of Best 2018

Ähnlich erlebte es Sofia Souidi, 2018 „Best of Best“-Gewinnerin aus Berlin. Gerade medial konnte die Designerin profitieren und sich in der Branche einen Namen machen. Ihre Erfahrung lautet: Der Preis verleiht den Teilnehmern eine große Aufmerksamkeit, die für Nachwuchsdesigner einfach wichtig ist, um Fuß zu fassen. Souidi hat durch den Award eine Menge Pressekontakte geknüpft, die ihr auch längerfristig genutzt haben. Aus den Kontakten von Ausstellungen und Messen entwickelt sich meist ein längerfristiger Austausch. Der Gewinn des Preises hat sie motiviert, Entwürfe bei weiteren Wettbewerben, Messen und Ausstellungen einzureichen – mit sehr guter Resonanz.

Simon Frambach (links) © Cortili Studio

Simon Frambach, Best of Best 2019

Wie ein gut gefedertes Sprungbrett funktionierte der ein&zwanzig-Award für Simon Frambach. Im April 2019 mit „Best of Best“ ausgezeichnet, erlebte er ein spannungsvolles Jahr. Sein Projekt „Dynamic Folding Chair“ kürte ein Herstellervertrag. „Ich habe das Glück, mit einer jungen, entschlossenen Firma zu arbeiten, die die nötigen Entwicklungsschritte ernst nimmt und das Produkt in eine hochwertige Serie überführen will“, berichtet er. Im Sommer folgt dann ein zweiter Meilenstein: Frambach wird Seniordesigner bei Konstantin Grcic in Berlin. 

Nachhaltigkeit als Motor für Innovation

Eines ist offensichtlich. Die Auseinandersetzung mit dem Handlungsprinzip der Nachhaltigkeit gehört für junge Designer zu ihrer täglichen Arbeitspraxis. Souidi forscht mit einem „Artist in Lab“-Stipendium am Fraunhofer WKI an recycelbaren Materialien. Putzier betrachtet die Nachhaltigkeit als Teil jedes Gestaltungsprozesses – von Anfang an. Und Frambach sagt: „Nachhaltiges Handeln kann nur entstehen, wenn man die zugrundeliegenden Wertschöpfungsketten von Produkten und Dienstleistungen richtig versteht. Dann können diese hinterfragt und sinnvoll verändert werden“. Er fordert neben der persönlichen Verantwortung des Einzelnen das Bekenntnis von Entscheidungsträgern und Konzernen zu nachhaltigem Handeln.

Visionen für weitere Karriereschritte

„Im Moment kann ich frei und selbstbestimmt arbeiten. Es gibt aber auch Projekte, bei denen der Kunde eine feste Vorstellung hat. Wechseln sich derartige Projekte ab, ist das besonders spannend“, beschreibt Souidi ihre Situation als Designerin. In sich verändernden Unternehmenskulturen werden Hierarchien und Abläufe immer häufiger hinterfragt. Die Produkte von morgen können auf diese Entwicklungen reagieren und dazu beitragen, das Arbeiten sozialverträglicher zu gestalten: „Das Arbeiten der Zukunft wird in jeder Hinsicht flexibler“, ist Frambach überzeugt. Eine zunehmende Komplexität beobachtet Putzier: „Ich möchte auch weiterhin offen und neugierig auf unterschiedliche Situationen gestalterisch reagieren.“ Er betont die Wichtigkeit von persönlichen und langfristigen Kooperationen, das gemeinsame Feilen bis zur Produktionsreife.

Im Herbst 2019 wurde Moritz Putzier selbst in die Jury des German Design Award berufen. „Eine sehr spannende Erfahrung“, beschreibt er die Aufgabe, „als selbstständiger Designer ist man immer in einer Bewertet-werden-Situation, da ist es eine Herausforderung, die Perspektive zu wechseln.“ Er plädiert dafür, Sehgewohnheiten zu durchbrechen, auf Details zu schauen, den unabhängigen Blick zu bewahren. „Designpreise sind eine Innovationsförderung, sie sind Motor für Veränderung“, lautet sein Fazit.

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