Bereit zum Einschieben: Stuttgarter Netzwerk-Bogenbrücke mit CFK-Hängern, Foto: L. Haspel, sbp Stuttgart

Am leichten Faden. Stuttgarter Stadtbahnbrücke mit Hängeseilen aus CFK

In Stuttgart fand vor kurzem ein spektakulärer Brückenschlag statt: Um die Linie U6 von Stuttgart-Fasanenhof bis zum Flughafen zu verlängern, wurde eine 127 Meter lange Stadtbahnbrücke der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) über die Autobahn A8 geschoben, deren Hängeseile komplett aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehen. Der ultraleichte und enorm stabile Werkstoff wurde maßgeblich an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) entwickelt. Die filigrane, vom Stuttgarter Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) entwickelte Netzwerk-Bogenbrücke besteht aus zwei parallelen Stahlbögen und einer Fahrbahnplatte aus Beton, die an CFK-Seilen hängt, die vom Empa-Spin-off Carbo-Link gefertigt wurden. Sowohl der Brückenbogen als auch die Fahrbahnplatte wurden direkt neben der Autobahn hergestellt. Zum Gesamtgewicht der Brücke von rund 1.500 Tonnen tragen die 72 wie Spinnfäden wirkenden Carbon-Hänger lediglich 1.675 Kilogramm bei. Im Gegensatz zu einer klassischen Stabbogenbrücke mit vertikalen Hängern überkreuzen sich die schräg angeordneten Aufhängungen, wodurch der Eindruck eines feinen Seilnetzes entsteht. Für Eisenbahnbrücken ist es besonders von Bedeutung, dass sich eine Netzwerk-Bogenbrücke im Vergleich zu Stabbogenbrücken mit vertikalen Hängern weniger durchbiegt, wodurch sich die Schienen unter der Last eines Zugs weniger verkrümmen können. Um das neuartige Material zu testen, musste innerhalb weniger Monate die Belastung von 100 Jahren Bahnbetrieb mit mehr als 11 Millionen Überfahrten simuliert werden.

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