Sessel mit einklappbarer Lehne, sog. „Senftenberger Ei“, Entwurf: Peter Ghyczy, 1968, VEB Synthesewerk Schwarzheide, um 1971. © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat deutsches Design, geprägt durch Bauhaus und Werkbund, weltweite Bedeutung erlangt. Nach 1949 nahm es dann eine ebenso überraschende wie einzigartige Entwicklung: In den beiden Teilen des gespaltenen Landes wurden die Ansätze der Vorkriegszeit unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen fortgeführt. Gemeinsam haben das Vitra Design Museum, das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Wüstenrot Stiftung die Ausstellung „Deutsches Design 1949–1989. Zwei Länder, eine Geschichte“ konzipiert, die mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung erstmals die deutsche Designgeschichte der Nachkriegszeit in einer großen Gesamtschau untersucht. Dabei werden die unterschiedlichen Lebenswelten, aber auch Parallelen und Querbezüge auf beiden Seiten der Mauer deutlich.

Das Bild des deutschen Designs der Nachkriegszeit ist in Ost wie West vielfach von Klischees bestimmt. DDR-Design sei schlicht gewesen und habe aus bunten, billigen Plasten und Elasten bestanden. In der BRD hingegen habe ein kühler Funktionalismus vorgeherrscht. Mit solchen Vereinfachungen will die Ausstellung aufräumen und einen differenzierten Blick auf die Protagonisten werfen – von Dieter Rams oder Hans Gugelot im Westen bis Rudolf Horn oder Margarete Jahny im Osten. Vorgestellt werden zudem prägende Institutionen wie die Burg Giebichenstein in Halle oder die Hochschule für Gestaltung in Ulm. Auch die Fortsetzung des Bauhaus-Gedankens oder der Einsatz von Design als Mittel des Protests in den 1980er-Jahren werden thematisiert.

Der deutsche „Sonderfall der Geschichte“ ermöglicht es zudem, die Rolle von Design im Kapitalismus und im Sozialismus zu untersuchen: Während es in der BRD zu einem Motor der deutschen Exportwirtschaft wurde, sollte es in der DDR die Planwirtschaft voranbringen und Produkte für breite Bevölkerungskreise erschwinglich machen. Ihre erste Station hat die durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland geförderte Ausstellung vom 20. März bis zum 5. September im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Danach ist sie vom 15. Oktober bis zum 20. Februar 2022 in Dresden in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen.

Diese Seite auf Social Media teilen:

Print Friendly, PDF & Email