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Movo © Denis Perčič, Sobocan d.o.o.

Heim oder Arbeitsplatz, was bedeutet das Leben und Arbeiten im New Normal? Seit Monaten verschmelzen Wohn- und Arbeitswelten und wir befassen uns plötzlich eingängiger damit, wie wir uns ein Umfeld schaffen, in dem wir gerne viel Zeit verbringen. Da hilft natürlich Ästhetik, aber auch Qualität. Der Stuhl, auf dem man sonst nur zum Essen sitzt, muss als Bürostuhl im Homeoffice deutlich höheren Ansprüchen genügen. Da zahlt sich gut durchdachtes Design in jeder Hinsicht aus. Im letzten Teil unserer dreiteiligen Serie zu den Interior Trends 2021 präsentieren wir „Living Multispaces“.

Im Bereich des Activity Based Working sucht man je nach Aktivität den dafür geeigneten Raum auf. Das Homeoffice soll dabei als Ort des konzentrierten Arbeitens und der Basistätigkeiten dienen. Für kreative Kollaboration mit Kollegen werden laut Trendforschern passende Zonen in modernen Bürowelten geschaffen.

Esstische oder Sofas können nur vorübergehend als Arbeitsplatz dienen und sind nicht ergonomisch. Nur wenige Menschen verfügen über genügend Raum für ein eigenes Arbeitszimmer. Daher werden neue Arbeitsmöbel benötigt, die sich in das Interieur einfügen und in der Freizeit keinen Störfaktor darstellen.

Wer auch in den heimischen vier Wänden Arbeit und Privates trennen möchte, setzt auf intelligente Mikroarbeitsplatzlösungen oder modulare Möbel, die sich schnell an die unterschiedlichen Nutzungen des Lebensraums anpassen lassen.


„Büromöbel müssen wandelbar und multifunktional sein“

Nils Holger Moormann
Nils Holger Moormann. Photo: © Julia Rotter

Doch was bedeutet das New Normal für das heimische Interieur? Einer, der sich auskennt im Feld der innovativen Lösungen, ist Designer Nils Holger Moormann. Er beschreibt seine Vorstellung vom idealen Labor so: „Eine akustisch wirksame Raum-im-Raum-Lösung mit der passenden Lichtstimmung stellt für mich den Idealfall dar, da sie Möglichkeit zum Rückzug innerhalb der Familie bietet. Das Büromöbel sollte zudem so wandelbar und multifunktional sein, dass es während der Arbeit alle Aufgaben erfüllen kann und danach nicht mehr als Arbeitsmöbel zu erkennen ist.“


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Der Falthocker TAKEoSEAT ist aus einem Stück PET-Filz gepresst. Er findet in agilen Arbeitswelten und Projektarbeitsräumen ebenso seinen Platz wie bei der spontanen Küchenparty. TAKEoSEAT. © Peter Schumacher, Klöber GmbH
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Se:mood ist ein universeller Stuhl, der aus 100 % recyceltem Kunststoff besteht und ein besseres Sitzgefühl bietet als bisherige Lösungen. se:mood. © Sedus Stoll AG, Sedus Design Team

„Räume genauso flexibel organisieren wie Teams“

Designerin Eva Marguerre vertritt ein ganzheitliches Konzept, das die Trennung zwischen dem Nutzen eines Raums und den Menschen, die ihn nutzen, aufhebt:

Eva Marguerre: „Wer agiles Arbeiten in sein Unternehmen bringen möchte, sollte darüber nachdenken, ob er seine Räume nicht genauso flexibel organisiert wie seine Teams. Arbeitsräume kann man mit vielfältigen Gestaltungsmitteln an die zu lösenden Aufgaben anpassen. Die New Work-Bewegung der vergangenen Jahre hat viele schöne Beispiele hervorgebracht, welchen Einfluss die Gestaltung des Arbeitsumfelds auf die Kreativität im Team hat.“

Eva Marguerre
Eva Marguerre, Designerin, Studio Besau-Marguerre. Foto: © Silke Zander

„Essenziell ist nicht die Anzahl der Features, sondern ob sie notwendig sind“

Das Arbeiten im „New Normal“ kann aber auch bedeuten, unter gewissen Voraussetzungen im Büro zu sein – mit neuen Ansprüchen an den Schutz der Gesundheit.

Alexander Streit ist Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik und führt seit 2005 die Geschäfte der Streit-TGA mit Sitz im bayerischen Holzkirchen. Die Firma hat sich in den vergangenen 16 Jahren erfolgreich auf Anlagenbau, Forschung und Entwicklung konzentriert. Das Thema Lüftungs- und Klimatechnik gehört zu Streits täglicher Arbeit. Sein Produkt calina.DESK ist ein bei den ICONIC AWARDS: Innovative Interior 2021 preisgekröntes Designobjekt zur Luftdesinfektion am Schreibtisch. Wir haben ihn gefragt, wen er mit seinem Konzept insbesondere erreichen möchte.

Alexander Streit
Alexander Streit, Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik, ist Gründer und Geschäftsführer der calina.systems GmbH. Im Mai 2020 entstanden erste Prototypen von calina.DESK. Foto: © calina.systems GmbH

Alexander Streit: „Unser gewohnter Arbeitsplatz ist seit COVID-19 in der Krise. Als soziale Wesen brauchen wir aber auch den persönlichen Kontakt, um kreativ zu bleiben und die Freude an unserer Arbeit zu behalten. Remote ist deshalb kein Allheilmittel, auch weil das Arbeiten aus dem Homeoffice nicht für jede Branche oder jeden Unternehmenstyp eine Ideallösung ist. Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, ihren Mitarbeitern neben Homeoffice auch eine sichere Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen.

calina.DESK richtet sich prinzipiell an alle Branchen, die Büros betreiben und auf diese nicht verzichten können oder wollen. Wir sprechen daher Entscheider in Unternehmen an, die dafür Sorge tragen, dass ihre Geschäfte produktiv weiterlaufen und ihren Mitarbeitern Sicherheit am Arbeitsplatz geben müssen. Die Innovation dabei liegt in der Kombination eines formal schlichten Designs, der integrierten UV-C-Technologie, modernster Funktionen und nachhaltiger Produktion. Unsere Kunden stellen es sich einfach auf ihren Schreibtisch und verbinden es mit dem Strom. Das war’s. calina.DESK sorgt dann dafür, dass sie Ihre eigene desinfizierte Luft einatmen. Das ist in dieser Form einzigartig.

Das erste Produkt calina.DESK basiert auf unseren umfassenden Erfahrungen im Bereich Lüftung und Klimatechnik, aber auch in der Forschung und Entwicklung innovativer Lösungen. Im Mai 2020 entstanden erste Prototypen. Wir haben diese dann mit einigen Lieferanten, Dienstleistern und eigenen Mitarbeitern zum jetzt vorliegenden Produkt weiterentwickelt. Das ging so schnell, weil wir größtenteils selbst produzieren und mit Partnern in unserem Umfeld zusammenarbeiten – ein für mich persönlich sehr wichtiger Faktor, denn je näher unsere Lieferanten sind, umso flexibler können wir aufeinander reagieren. Grundsätzlich betreiben wir calina.systems in Eigenregie mit einem verlässlichen lokalen Netzwerk.

Mich inspiriert es, Probleme zu identifizieren und dafür machbare und innovative Lösungen zu entwickeln. Dabei ist mir der Fokus auf den Nutzer besonders wichtig – nicht die Anzahl der Features, sondern deren tatsächliche Notwendigkeit halte ich für essenziell. Die Verbindung von ansprechendem Design und verlässlicher Technik reizt mich dabei besonders.“

calina.DESK
Das calina.DESK Luftfiltergerät versorgt Personen am Büroschreibtisch dank UV-C-Technologie mit entkeimter, Coronaviren-freier Luft. Das System ist hergestellt aus wiederverwertbarem, synthetischem Akustikfilz und arbeitet mit geringem Energieverbrauch. Foto: calina.systems GmbH © aesthetika.eu

Die ICONIC AWARDS: Innovative Interior prämieren jährlich herausragend gestaltete Produkte der Einrichtungsbranche und kommunizieren Qualität und Trends der Branche. Unter den Gewinnern der ICONIC AWARDS: Innovative Interior 2021 finden sich viele Projekte, die dem Living-Multispaces-Trend im New Normal mit ihren Produkten gerecht werden:

calina.DESK
Calina. DESK von calina.systems GmbH. Foto: calina.systems GmbH © aesthetika.eu.
Combina D
Combina D von L&L Luce&Light srl. Foto: © L&L Luce&Light srl.
Movo von Sobocan d.o.o.. Foto: © Denis Perčič, Sobocan d.o.o..
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nido von nido e.K. © nido e.K.
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Se:mood vonder Sedus Stoll AG. Foto © Sedus Stoll AG, Sedus Design Team.
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TAKEoSEAT von Klöber. Foto: © Peter Schumacher, Klöber GmbH.
The Wall
The Wall von der Orea AG. Foto: © Orea AG.
UME Sensor Dispenser
UME Sensor Dispenser von ZONE Denmark. Foto: © ZONE Denmark.

Texte und Bilder dieses Beitrags entstammen teilweise dem ICONIC Design Special 2021 „Interiors, Innovation, Inspiration“, erschienen als Beileger der Januarausgabe des FAZ Magazins.


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