Material als Grundlage der Gestaltung: Die Stiftung Sitterwerk nahe St. Gallen bietet Stoffe aus Kunstproduktion, Restaurierung, Architektur und Design zur Recherche und Inspiration – analog und im digitalen Material-Archiv / Foto: Katalin Deér

In Zeiten, in denen Digitalisierung und Immaterialisierung zunehmen, schwindet das Verständnis von Werkstoffen ebenso wie das praktische Wissen um Herstellungs- und Verarbeitungstechniken. Gleichzeitig erfordern knappe Ressourcen die Entwicklung von neuen bzw. neu gedachten Materialien und Bautechnologien. Ressourcenbewusstsein und soziales Verantwortungsgefühl aber sind unentbehrlich, sollen sich Industriedesign, Architektur und die Gestaltung urbaner Räume auf der Höhe der Zeit bewegen. Alles das macht ein entsprechendes Materialwissen ebenso nötig wie eine entsprechende Wissensvermittlung und Sensibilisierung.

Seit seiner Gründung 2007 fungiert das Material-Archiv als ein Netzwerk, dessen aktuell zehn Mitglieder Wissen rund um Werkstoffe erschließen, aufbereiten und der Fachwelt sowie der breiten Öffentlichkeit vermitteln. Bildung und Vermittlung erfolgen dabei zum einen in den physischen Mustersammlungen der Mitglieder, zum anderen seit 2008 aber auch über die Inhalte des Portals materialarchiv.ch. Das jüngst von dem Zürcher Designstudio Astrom / Zimmer & Tereszkiewicz neu konzipierte Online-Archiv verknüpft mithilfe einer semantischen Datenarchitektur sämtliche Inhalte des Wissensportals miteinander: 1308 Einzelmaterialien, 190 Verfahren, 162 Materialgruppen, 1080 Anwendungsbeispiele, 9 Mustersammlungen sowie 273 Events – Tendenz steigend.

Jedes Material – ob Aluminium oder Alkanna tinctoria (auch Schminkwurz genannt, ein Farbstoff, der das extrem teure Purpur ersetzte) wird mit seinen Eigenschaften, Herstellungsformen und Verarbeitungsmöglichkeiten vorgestellt. Seine Geschichte, neue Erkenntnisse und ökologische Hintergründe werden erklärt. Die Inhalte werden von Experten autorisiert, von externen Lektorinnen überarbeitet und fortlaufend erweitert, aktualisiert und vertieft. Ob Stein, Glas und Holz, Gusstechniken, 3D-Druck oder Holzverbindungen – das Material-Archiv bietet umfassendes Werkstoffwissen zur Recherche und Inspiration. Als erste deutsche Institution zu dem Schweizer Netzwerk hinzugekommen ist jüngst die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

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