Trix und Robert Haussmann
Trix und Robert Haussmann. Foto: Sabine Dreher

Am 21. September ist Robert Haussmann gestorben. Mit den Traditionen der Moderne ging er in seinen Werken spielerisch um. Ein Nachruf an den Schweizer Architekten und Designer.

Von Thomas Wagner.

Robert Haussmann wird 1931 in eine Welt gediegener und in sich stimmiger Inneneinrichtung hineingeboren: Sein Vater war Tapezierer und Polsterer, und so lernt der Sohn bereits früh, wie man präzise und kunstfertig mit den verschiedensten Materialien umzugehen hat. Er studiert an der Kunstgewerbeschule in Zürich bei Willy Guhl, Wilhelm Kienzle und Johannes Itten und an der Schule für Kunsthandwerk in Amsterdam. Er infiziert sich mit Ideen der Moderne, lernt bei Gerrit Rietvelt, einem Vertreter der De Stijl-Gruppe. Eine der frühen Arbeiten Haussmanns findet man in der 1965 eingerichteten Bar der Zürcher „Kronenhalle“. Deren Spiel mit Material und Licht ist von Adolf Loos‘ „American Bar“ in Wien inspiriert; die Gediegenheit der Einrichtung strahlt die die seriöse Ruhe eines englischen Clubs aus.

Sessel 310
gta Archiv / ETH Zürich, Trix und Robert Haussmann. Foto: Fred Waldvogel
Theke
gta Archiv / ETH Zürich, Trix und Robert Haussmann. Foto: Fred Waldvogel

Robert und Trix

Doch Haussmann – oder besser: die Haussmanns – üben sich keineswegs in hochachtungsvoller Verehrung einer zunehmend erstarrten Moderne: Robert und Trix Högl heirateten 1967 und agieren fortan als Team, das seine Ideen, wie Trix es einmal nannte, im „Ping-Pong“ entwickelt. Sie knüpfen auch an die Anarchismen der Zürcher Dadaisten an und gründen im Jahr ihrer Hochzeit die „Allgemeine Entwurfsanstalt Zürich“. Eine ihrer ersten gemeinsamen Arbeiten ist eine hintersinnige Serie von dysfunktionalen Stühlen – einer schmilzt scheinbar wie Schokolade, ein anderer verspricht Schmerz statt Gemütlichkeit. Es macht erkennbar mehr Spaß die „gute Form“ zu zerstören als sie zu feiern.

Eine Schlüsselszene für Robert Haussmann, so wird erzählt, sei eine Begegnung mit Hans Arp gewesen. Der dadaistische Dichter und Bildhauer schaute dann und wann bei privaten Vorlesungen des Architekturtheoretikers Siegfried Giedion vorbei, die Haussmann am Ende seines Studiums hörte. Einmal warf Arp Streichhölzer auf einen Tisch und sagte: „Das ist schön.“ Dann sammelte er sie wieder ein, warf sie erneut und sprach: „Und auch das ist schön.“ Haussmann verstand sofort: Schönheit ist kontingent, entsteht per Zufall. Was da ist, kann neu zusammengewürfelt werden. 1977 publizieren die Haussmanns eine Reihe von „Lehrstücken“, die exemplarisch aufzeigen, wie sich kombinierend Neues aus Vorhandenem erzeugen lässt. Ein Schreibtisch in Form einer gemauerten Brücke oder ein Schubladenturm in Gestalt einer ionischen Säule unterlaufen bewusst das moderne Credo „Form follows function“.

Vorlass Trix und Robert Haussmann. gta Archiv-ETH-Zürich.
Vorlass Trix und Robert Haussmann. © gta Archiv / ETH Zürich, Trix und Robert Haussmann. Foto: Max Hellstern

Spiel mit Traditionen

Wie lustvoll-spielerisch Robert und Trix mit der Moderne und überhaupt mit der Tradition umgegangen sind, zeigt auch ein kleiner, 1962 entworfener Lounge-Chair. Ein Möbel, so Robert Haussmann, „das den Komfort des klassischen Chesterfield bietet, aber leichter in Erscheinung tritt“. Vor einigen Jahren hat Walter Knoll den „310“ wieder aufgelegt. Für deSede hat der Designer ein ebenso hybrides Chesterfield-Sofa entworfen. „Manierismo Critico“ nannten die beiden ihr Spiel mit Perspektiven, optischen Täuschungen und ironischen Materialzitaten, mit denen sie immer wieder der „Ausdrucksarmut“ der Moderne zu begegnen suchten. Dass die Haussmanns das Spiel auch als Architekten virtuos gespielt haben und trotzdem schweizerisch seriös geblieben sind, kann man in der Shop-Ville unter dem Zürcher Hauptbahnhof bestaunen, wo sie 1981 die Erweiterung der Bahnhofpassage in schwarzweiße Marmorstreifen kleideten und mit Hilfe von Spiegeln einen illusionistischen Raum schufen, der die niedrigen Decken höher erscheinen lässt.

Engagiert und lustvoll praktizierte Robert Haussmann die Methode, Design und Architektur zu befragen, auch bei Lehraufträgen an der Zürcher Kunstgewerbeschule und der ETH Zürich. Von 1986 bis 1998 wirkte er zudem als Entwurfsprofessor für Architektur an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste. 2013 wurden er und seine Frau vom Bundesamt für Kultur für ihr gemeinsames Schaffen mit dem Grand Prix Design ausgezeichnet. Am 21. September ist Robert Haussmann gestorben. Am 23. Oktober wäre er 90 Jahre alt geworden.


Mehr über Robert Haussmann

Die Website Trix und Robert Haussmann Architekten und Designer ist dem Leben und Werk des gestaltenden Paares gewidmet.

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