Urbane Holzarchitektur: Sawa in Rotterdam (Niederlande)
Urbane Holzarchitektur: Sawa in Rotterdam (Niederlande) von Mei architects and planners. © WAX+Mei architects

Engagement für den Klimaschutz ist eng mit dem Kampf gegen CO2-Emissionen verknüpft. Hier spielt der Bausektor eine entscheidende Rolle: insbesondere Holzarchitektur stellt dabei eine vielversprechende Möglichkeit dar, auf eine CO2-neutrale Zukunft hinzuarbeiten.

Von hicklvesting.

Holzarchitektur: Wohnbau im Schweizer Gümligen
Wohnbau in Gümligen (Schweiz) von Marazzi + Paul Architekten

Die Europäische Union soll bis 2050 klimaneutral werden. Dafür ist eine Dekarbonisierung auf allen wirtschaftlichen Ebenen erforderlich. Vor allem der Bausektor mit einem weltweiten Anteil von circa 40 Prozent an CO2-Emissionen bildet dabei einen kritischen Bereich – insbesondere Stahl und Beton benötigen immense Mengen an Energie bei der Herstellung. Um sich von diesen Baumaterialien und der damit verbundenen Umweltbelastung zu lösen, bedarf es eines Paradigmenwechsels. Dabei spielen natürliche, regenerative Baustoffe eine entscheidende Rolle.

Eine wahre Renaissance erlebt vor allem der ökologische Allrounder Holz. Holzarchitektur senkt die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre gleich in mehrerlei Hinsicht: Nachhaltig bewirtschaftete Wälder und Forste spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung des Treibhauseffekts, indem sie der Atmosphäre CO2entziehen. Das für die Architektur eingesetzte Holz wiederum steigert den Klimaschutzeffekt, denn der Rohstoff bindet das für die Erderwärmung verantwortliche Treibhausgas auf natürliche Weise und wirkt damit als Kohlenstoffspeicher. Als nachwachsende und gleichzeitig auch leicht recycelbare Ressource ist es eine überzeugende Alternative zu den derzeit verwendeten mineralischen Baustoffen. Der gegenwärtige Trend zum seit Jahrtausenden im Gebrauch befindlichen Baumaterial Holz hat mit traditionellen Bautechniken allerdings nur bedingt zu tun. Dank computergestützter Entwurfsprogramme und dem Einsatz hochtechnisierter Bau- und Verarbeitungsmaschinen entstehen heute präzise berechnete Konstruktionen. Diese Ingenieursleistungen minimieren den Materialeinsatz, eröffnen aber auch in ästhetischer Hinsicht ganz neue Wege. Architektinnen und Architekten gehen hier mit viel Mut voran, und gestalten eine CO2-neutrale Zukunft aktiv mit.

Dieser Trend spiegelt sich bei den Gewinner-Projekten des ICONIC AWARDS: INNOVATIVE ARCHITECTURE 2021 wider. Das Büro KOZ Architectes hat mit Sensations in Straßburg das größte Wohnhaus aus Holz in Europa realisiert. Dieses elf Stockwerke hohe Gebäude mit 146 Wohnungen konnte dank technischer Spitzenleistungen selbst in dem seismisch aktiven Gebiet realisiert werden. Als Material kam Brettsperrholz beziehungsweise CLT (cross-laminated timber) zum Einsatz. Dieses Material wird auch für den derzeit in Rotterdam im Bau befindlichen Wohnturm Sawa von Mei architects and planners verwendet. Der am Hafen stehende Bau mit 50 Metern Höhe ist nach oben hin kontinuierlich abgestuft, bietet auf den Plateaus in jeder Etage viel Platz für Grünflächen und fördert so zusätzlich die Biodiversität. Was im Großen funktioniert, ergibt auch im ganz Kleinen Sinn: Die hölzerne Workstation von Hello Wood Studios ist ein modularer Mini-Raum, der schnell errichtet und flexibel genutzt werden kann. Auch abseits der großen Metropolen setzen sich neue Holztechnologien rasant durch: Ob das Stadttor Troisdorf von Atelier Brückner, das Passivhaus im fränkischen Seenland von Nouri-Schellinger, das Wohnhaus und Studio in Mellau von Jürgen Haller Architekten oder der Mehrgenerationen-Wohnbau in Gümligen von Marazzi + Paul Architekten – Holz ist in jedem Fall das Mittel der Wahl für den Sprung in ein grüne, CO2-neutrale Zukunft.


Die ICONIC AWARDS: Innovative Architecture prämieren architektonische Highlights und machen Branchentrends sichtbar. 2021 wurden einige herausragende Beispiele für Holzarchitektur ausgezeichnet:


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