Schlafen im Beduinenzelt, Gäste empfangen im Barocksaal – Schloss Erkersreuth in Selb ist ein außergewöhnlicher Ort. Über Jahrzehnte war es der private Wohnsitz von Philip Rosenthal (1916 bis 2001) – Abenteurer, Unternehmer, Politiker, Kunst- und Kulturförderer und ein großer Befürworter von Design als Wirtschaftsfaktor. Johann Christian August von Lindenfels hatte das Schloss 1748 erbauen lassen. 1879 legte Geheimrat Philipp Rosenthal (1855 bis 1937) in einem Raum des Schlosses mit einer Porzellanmalerei den Grundstein für seine heute weltbekannte Marke. Nachdem sein Sohn Philip 1947 aus der Emigration in England nach Selb zurückgekehrt und 1950 in die von seinem Vater gegründete Porzellanmanufaktur eingetreten war, gestaltete er Schloss Erkersreuth nach seinen Vorstellungen um – getreu seines Mottos „das echt Neue mit dem echt Alten“. So sind beispielsweise die Wände des Foyers nicht nur mit zahlreichen Porzellantellern bestückt, zusammen mit einer eigens von Arnold Schönberg komponierten Musik wird der Raum zu einem Environment. Im Lauf der Zeit entstand eine einzigartige und bis heute faszinierende Mischung aus fränkischem Barock und moderner Porzellankunst von internationalen Künstlern. Das Schloss wurde zum Begegnungsort von Politik, Wirtschaft und Kunst. Hier traf sich Philip Rosenthal ebenso mit Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt wie mit Walter Gropius und Andy Warhol. Nach dem Verkauf der Firma Rosenthal an die italienische Arcturus Group war lange nicht klar, was mit dem Gebäude geschehen solle. Nun hat die Stiftung Kulturerbe Bayern Schloss Erkersreuth erworben, um es, nach notwendigen Renovierungsarbeiten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und an diesem Designhotspot einen Begegnungsort entstehen zu lassen. Wer mehr erfahren möchte, dem sei nochmals der Artikel von Barbara Friedrich in der A&W 05, 2009 empfohlen – mit wunderbaren Fotografien der Innenräume.

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