Wohnwelten, Gesellschaft, Konsum- und Lebensweisen verändern sich rasant. Zuhause und im Büro werden Zimmer zunehmend durch Zonen ersetzt. Auch die Küche und ihre Utensilien stehen auf dem Prüfstand. So wundert es nicht, dass sich auch Design-Newcomer von den aktuellen Fragestellungen inspirieren lassen und Konzepte für die Küche der Zukunft entwerfen. Spannende Projekte, die nicht nur Vision, sondern auch äußerst praktikabel sind, liefern drei Designstudenten, die mit dem internationalen Newcomer Award ein&zwanzig ausgezeichnet wurden. Der Award wird jährlich vom Rat für Formgebung verliehen.

Am 20. April 2020 wurde verkündet, welcher der 21 prämierten Newcomer die höchste Auszeichnung „Best of Best“ erhält.


Die mobile Küche

Newcomer Dirk Biotto, Absolvent der Universität der Künste in Berlin, überzeugte mit seinem „Trio“ Projekt – eine dreiteilige, mobile und autarke Küche, die sich auf die wesentlichen Elemente des Kochens konzentriert: Vor- und Zubereiten, Kochen und Abwaschen.

Selbst leidenschaftlicher Koch, wollte Biotto auf die wachsende Verdichtung in den Großstädten und eine damit einhergehende Verringerung der Wohnflächen reagieren. „Nicht nur die Art und Weise wie wir wohnen wird sich ändern, auch unsere Werte und Einstellung. (Lebens-)Räume gleichen einander an und verschmelzen miteinander“, schildert der Berliner. Dies führt zu neuen Raumkonzepten.

„Die Küche verliert ihre zentrale Rolle in unserem Leben und löst sich auf. Was passiert mit den vorhandenen Produkten?“, fragt Biotto in seiner Masterarbeit und findet eine einzigartige Antwort. Losgelöst von architektonischen Gegebenheiten bietet „Trio“ eine Reduktion auf das Wesentliche. So wird der Herd mit einer Gasflasche betrieben, das Wasser für das Spülbecken befindet sich in einem Kanister über dem Waschbecken und das Schmutzwasser wird unten gesammelt – eine hochmobile Küche, die auch bei jedem Umzug schnell dabei ist.

Die begrenzten Ressourcen nötigen die Nutzer, möglichst bewusst mit diesen umzugehen – wieder bewusst zu kochen und die Küche bewusst wahrzunehmen.

Dirk Biotto

Sebastian Kommer: „N.O.S.W.“

Brotkorb 2.0

Problemlösung stand auch für Sebastian Kommer, Absolvent des Studiengangs Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule Kiel, im Fokus. Sein Projekt „N.O.S.W.“ – bestehend aus 3D Rattan Furnier (karuun®), Steinverbindern und einem Schneidebrett – ist der multifunktionale Brotkorb schlechthin. Er kann zum Kauf, Aufbewahren, Zubereiten und Anrichten von Backwaren benutzt werden. Hinter seinem Entwurf steckt aber nicht nur die Idee von praktischem Nutzen, sondern auch der Wunsch, nachhaltiges Design zu fördern und eine ganzheitliche Perspektive einzunehmen. Ihn treibt die Frage an: Unter welchen Rahmenbedingungen entsteht ein Produkt, wie, wo und wofür wird es genutzt?

So wollte der Designstudent auch für seinen preisgekrönten Entwurf nur Materialien verwenden, deren Ursprung er zurückverfolgen kann. Dabei entdeckte Kommer das aus Indonesien stammende Furnier der Rattan Palme karuun®. Die dort arbeitenden Bauern werden vom Hersteller out for space GmbH fair bezahlt und die lokale Wirtschaft wird unterstützt.

Nachhaltigkeit bedeutet auch, die Wertschätzung und das Bewusstsein für das Produkt zu steigern. Eine lange Lebensdauer der Produkte und eine stärkere Bindung sind die Folgen. Wenn das Produkt nachhaltig entwickelt ist und Konsument*innen in der Lage sind, dies auch zu verstehen, können Artefakte ein Auslöser zum Umdenken sein.

Sebastian Kommer

Manuel Kugler: „Tryk“

Manu-faktum. Form-vollendet.

In Zeiten von Massenproduktion, in denen Objekte am Fließband tausendfach identisch hergestellt werden, stehen Unikate in der Designwelt hoch im Kurs. Manuel Kuglers Ziel war es, mit seinen Porzellanobjekten „Tryk“, Individualität in Serie zu produzieren und Geschenkartikel wie Schalen und Becher zu entwickeln, die sich durch ihre Einzigartigkeit auszeichnen.

Dafür experimentierte Kugler mit Porzellanmasse. Nach dem Extrudieren des Porzellans setzt der Designer durch manuelle Eingriffe wie Falten, Biegen und Quetschen bewusst individuelle Verformungen in Bewegung. Das Eigengewicht und die Instabilität der Porzellanmasse durch Variationen ihres Feuchtigkeitsgehalts lassen eine Reihe unikathafter Objekte entstehen.

Nur durch Experimente mit der Porzellanmasse konnte ich sehen, wie sich das Material verhält und welche Eingriffe zu welchem Ergebnis führen. Nach einigen Versuchen und Entwicklungsschritten, entstand eine Maschine, bei welcher ich durch austauschbare Matrizen den Durchmesser, aber auch die Oberflächenstruktur bestimmen konnte.

Manuel Kugler

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