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2. Juni 2020
© YouGov

Brand Purpose. Mehrzahl der Deutschen finden es gut, wenn Marken Haltung zeigen

Dass Marken soziale Verantwortung zeigen, ist nicht neu. Doch was zuvor Einzelphänomene waren, tritt nun immer häufiger in Erscheinung: Das jüngste Beispiel ist die AOK, die sich im Streit der Bild-Zeitung mit dem Virologen Christian Drosten an dessen Seite stellte und die Imagekampagne absagte, die in der Zeitung veröffentlicht werden sollte. Die Bild stelle derzeit kein geeignetes Umfeld für die eigene Imagekampagne „Für ein gesünderes Deutschland“ dar, erklärte der AOK-Bundesverband. Generell positionieren sich immer mehr Marken in ihrer Außenkommunikation klar zu sozialen und politischen Themen. Damit wollen sie zeigen, dass sie neben dem Streben nach Profit auch einen Beitrag zu gesellschaftlichen Themen leisten wollen. Wie ein Whitepaper des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov zeigt, profitieren nicht nur Marktführer und internationale Marken wie Dove, Wilkinson, Nike oder P&G von einer klaren Positionierung zu gesellschaftlichen Themen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen können sich auf diese Weise bei Verbrauchern profilieren und von ihren Mitbewerbern abheben. Was aber halten die Konsumenten von Marken mit klarer Kante? Bis zu welchem Grad sollten sie in den Augen der Verbraucher ihre Meinung in Gesellschaft und Politik deutlich machen? Die aktuelle Umfrage zeigt: 54% der Deutschen finden es wichtig, dass Marken, die sie nutzen, einen klaren Standpunkt zu gesellschaftlichen Themen haben, und 65% honorieren es, wenn eine Marke sich sozial engagiert. Dabei kommt es darauf an, das richtige Thema zu finden. So punkten bei den Verbrauchern markenunabhängig besonders die Themen Umwelt, Menschenrechte und Tierquälerei. Was die Frage angeht, ob Marken, die Ansichten zu politischen oder sozialen Themen zum Ausdruck bringen, diese nur ausnutzen, lohnt ein Blick in die Altersgruppen: Befragte der Altersgruppe über 60 Jahre stimmen der Aussage zu 59% zu, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es nur die Hälfte. Dass es riskant sein kann, als Marke seine Stimme in gesellschaftlichen Diskursen zu erheben, zeigen die Antworten auf eine andere Frage: 58% der deutschen Verbraucher würden aufhören, Produkte einer Marke zu kaufen, die eine Ansicht vertritt, mit der sie nicht einverstanden sind. Chancen und Risiken sollten also gut abgewogen werden.


2. Juni 2020
Nur 5 Exemplare: Pininfarina Battista Anniversario, © Pininfarina

Elegantes Blech. Pininfarina feiert sein 90. Firmenjubiläum

Der Name hat besonderen Klang: Pininfarina. Das Unternehmen gilt als die italienische Carrozzeria schlechthin; ihre Entwürfe haben das Automobildesign wesentlich mitgeprägt. Zahlreiche Modelle, die mit dem kleinen rotblauen Firmenemblem mit der Krone über dem kleinen „f“ versehen sind, gelten heute als Klassiker und Ikonen des Automobildesigns, ob sie für Hersteller wie Alfa Romeo, Ferrari, Lancia, Maserati, Jaguar oder andere namhafte Marken entstanden sind. Selbst für Cadillac wurden einige Modelle bei Pininfarina gezeichnet. Der Gründer, Batista Farina wurde 1893 in Constanza d‘Asti in der Nähe von Turin geboren – als zehntes von elf Kindern. Seinen Rufnamen „Pinin“ („der Kleine“) wurde er nie los. 1961 wurde Pininfarina sogar offizieller Firmen- und, nach einer Präsidentenverfügung, Familienname. Gegründet hatte Battista Farina seine eigene Firma 1930, die schnell von sich reden machte, da seine Kenntnisse der Aerodynamik seinen Fahrzeugen eine funktionale, zugleich aber futuristisch anmutende Extravaganz verliehen. Legendär ist die dauerhafte Allianz mit Ferrari, aus der von 1952 an viele außergewöhnliche Modelle hervorgingen, darunter die von Sergio Pininfarina gezeichneten Klassiker 365 GTB/4 Daytona und Dino 265. 1966, in dem Jahr, als Battista Farina starb und sein Sohn Sergio endgültig die Verantwortung des Designstudios übernahm, stellte er zudem den Alfa Romeo Spider vor, der nicht zuletzt durch den Film „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman berühmt wurde. Es folgten Aufträge für Fahrzeuge unterschiedlichster Hersteller und Pininfarina war auch mit Massenmodellen erfolgreich. Wie bei vielen anderen Karossiers kam im neuen Jahrtausend auch bei Pininfarina die Auftragsfertigung für große Konzerne (zuletzt Alfa Spider und Volvo C70) zum Erliegen. Die drohende Insolvenz wurde durch den indischen Mischkonzern Mahindra abgewendet, der die Designfirma 2015 übernahm. Beim Genfer Autosalon 2020 stellte Pininfarina zum 90. Firmenjubiläum eine auf 5 Exemplare begrenzte Sonderserie des Supersportwagen Battista mit Elektroantrieb vor.


2. Juni 2020
SolarOnTop, © IM Efficiency

Nachhaltig mobil. Start-up aus den Niederlanden will LKW mit Solarmodulen ausstatten

Das niederländische Start-up IM Efficiency hat mit SolarOnTop ein System entwickelt, das es Flottenmanagern bei Schwerlastwagen ermöglichen soll, pro Jahr rund 6.000 Kilogramm CO2 und etwa 2.500 Euro Spritkosten einzusparen, indem sie das Dach ihrer Sattelauflieger großflächig mit Solarmodulen ausstatten. Die nur einige Millimeter dicken und leicht zu montierenden Paneele sollen, indem sie die Lichtmaschine entlasten und den Truck mit Strom versorgen, den Verbrauch um bis zu 5,5% senken und so für nachhaltigere Mobilität im Transportwesen sorgen. Nach Angaben des Unternehmens soll sich die Installation der Paneele in weniger als drei Jahren amortisieren.


2. Juni 2020
Shaped Paper Pods, © syntegon

Papier statt Plastik. Innovative Einwegverpackungen für verschiedene Lebensmittel

Mit der TPU Papierform-, Füll- und Verschließmaschine von Syntegon Technology (ehemals Bosch Packaging Technology) und dem 3D-formbaren FibreForm® Papier von BillerudKorsnäs ist eine neue Lösung für Portionsverpackungen entstanden. Bei dem Verfahren formt die Maschine umweltschonende Papier-Strukturschalen mit einem Füllvolumen von zehn bis 100 Milliliter. Dabei wird das FibreForm-Papier mittels Luftdrucks und Presskraft geformt. Dank Heißsiegeltechnologie lassen sich die Strukturschalen, zudem mit jedem Deckelmaterial verschließen. „Technologie und Material“, so Matthias Klauser, Nachhaltigkeitsexperte bei Syntegon Technology, „sind perfekt aufeinander abgestimmt, was sich für zahlreiche Verpackungslösungen skalieren lässt. So ergeben sich einzigartige Sinneserlebnisse für Marken- und Kundeninteraktionen“. Das Verfahren eignet sich für Produktmuster, Beilagen, Nachfüllpacks, Portions- und Einwegverpackungen. FibreForm, erklärt Simon Johansson, Projektmanager beim schwedischen Unternehmen BillerudKorsnäs, sei „eine Alternative, wo bislang Kunststoff die Norm war“. Das neue Verpackungssystem sei ideal für einzelne Portionspackungen und Produkte, die normalerweise in Blistern verpackt werden. Neben Kosmetika oder Proben könnten die Papierschalen dank einer dünnen Barriereschicht auch zum Verpacken von trockenen, stückigen oder viskosen Lebensmitteln verwendet werden. Ob Aufstriche, Margarine, Kekse oder Adventskalender in Papiertrays – die neue Technik biete eine große Bandbreite an Konzepten für nachhaltige Verpackungen an.


2. Juni 2020
Kaj Franck, Reisefoto, 1956 in Japan aufgenommen, © Design Museum’s Photo Archive

Travel as a Tool. Ausstellung in Helsinki

Ist Urlaub während der Corona-Pandemie möglich, ja oder nein? Kaum ein Thema wird aktuell intensiver diskutiert. Weniger der Urlaub als Abwesenheit vom Arbeitsplatz zu Erholungszwecken, sondern vielmehr das Reisen als eigene Erfahrung und Inspirationsquelle steht im Mittelpunkt der Ausstellung Travel as a Tool im Designmuseum in Helsinki. Die Ausstellung läuft vom 1. Juni bis zum 7. März 2021 und kann auf der Website des Museums auch digital besucht werden. Sie widmet sich der Bedeutung des Reisens für die Arbeit nordischer Designer von den 1940er-Jahren bis in die Gegenwart. Mittels Fotografien, Tagebüchern, Briefen, Filmen und Objekten werden die Reisen von Architekten und Designern wie Alvar Aalto, Kaj Franck, Saara Hopea, Arne Jacobsen, Tina Ratzer, Ilmari Tapiovaara, Jørn Utzon, Hans J. Wegner und vielen mehr als Quelle für neue Ideen und Gelegenheiten zum Knüpfen neuer Kontakte dargestellt. Unterwegs werden neue Materialien ebenso entdeckt wie bisher nicht gekannte Herstellungsverfahren; Ausstellungen und Events bieten Gelegenheit, internationale Verbindungen zu knüpfen. Viele der mehr als 40 Designerinnen und Designer, von deren Reisen die Ausstellung berichtet, waren aus ganz unterschiedlichen Gründen unterwegs und brachen zu Zielen in Nah und Fern auf. Für manche war das Verreisen – verursacht durch die politische Situation, Krieg oder untragbare persönliche Umstände – auch schlicht eine Notwendigkeit. Die von Anna Vihma (Design Museum Helsinki), Elna Svenle (Vandalorum) und Anne Blond (Tønder Art Museum) gemeinsam kuratierte Schau beleuchtet mithin ganz unterschiedliche Motive, Aspekte und Ergebnisse der Reisen von Gestaltern.


25. Mai 2020
Webseiten oder andere digitale Oberflächen sind teilweise bewusst irreführend gebaut – zum Vorteil der Unternehmen dahinter. Foto: Charles Deluvio (modifiziert)

Dark Patterns. UX-Design mit gesellschaftlichen Nebenwirkungen

In einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft wird der physische Kontakt zwischen Verbraucher und Unternehmen immer häufiger durch digitale Benutzeroberflächen ersetzt. Jeden Tag bewegen sich allein in Deutschland Millionen von Menschen auf Websites oder in Apps von Online-Händlern, Streamingdiensten, Social Media-Unternehmen oder anderen Anbietern. Gut gemachte Websites und Anwendungen sorgen für Aufmerksamkeit und binden Nutzer an Produkte und Marken. Lässt sich auf der Website eines Händlers schnell und reibungslos finden und bestellen, was man sucht? Ist der Karten- oder Navigationsdienst intuitiv nutzbar? Wie aufwendig ist es, einen Kunden-Account einzurichten? Seit den 1990er-Jahren erforschen UX-Designer, wie Menschen mit Computern interagieren und optimieren auf Grundlage psychologischer und verhaltensökonomischer Erkenntnisse die eigenen Dienste. Unter dem Titel „Dark Patterns: digitales Design mit gesellschaftlichen Nebenwirkungen“ warnen Sebastian Rieger und Caroline Sinders nun in einer Analyse der Stiftung Neue Verantwortung, Ziel der Optimierung sei dabei meistens nicht das Wohl der Nutzer, sondern der wirtschaftliche Vorteil des Unternehmens. Das Stichwort „Dark Patterns“ bezeichnet dabei alles, was ein bestimmtes Verhalten fördert, das zum Nachteil für Nutzer führen kann. Dazu gehören Tricks wie farblich hervorgehobene Buttons für kostenpflichtige Optionen, wichtige Details in zu kleinen Schriften und versteckte Regler für Datenschutzoptionen. Jeder kennt irreführende Warnhinweise oder Countdowns wie „Nur noch 2 Zimmer verfügbar!“, mit denen Buchungsportale oder Onlineshops Nutzer unter Druck setzen, Preisvergleiche erschweren oder zu Impulskäufen verleiten. Um das zu verhindern und gegen manipulatives Design vorzugehen, müssten nach Auffassung der Autoren nicht zwangsläufig neue Gesetze diskutiert, sondern bestehendes Recht konsequenter als bisher angewendet werden.


25. Mai 2020
Bereit zum Einschieben: Stuttgarter Netzwerk-Bogenbrücke mit CFK-Hängern, Foto: L. Haspel, sbp Stuttgart

Am leichten Faden. Stuttgarter Stadtbahnbrücke mit Hängeseilen aus CFK

In Stuttgart fand vor kurzem ein spektakulärer Brückenschlag statt: Um die Linie U6 von Stuttgart-Fasanenhof bis zum Flughafen zu verlängern, wurde eine 127 Meter lange Stadtbahnbrücke der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) über die Autobahn A8 geschoben, deren Hängeseile komplett aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehen. Der ultraleichte und enorm stabile Werkstoff wurde maßgeblich an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) entwickelt. Die filigrane, vom Stuttgarter Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) entwickelte Netzwerk-Bogenbrücke besteht aus zwei parallelen Stahlbögen und einer Fahrbahnplatte aus Beton, die an CFK-Seilen hängt, die vom Empa-Spin-off Carbo-Link gefertigt wurden. Sowohl der Brückenbogen als auch die Fahrbahnplatte wurden direkt neben der Autobahn hergestellt. Zum Gesamtgewicht der Brücke von rund 1.500 Tonnen tragen die 72 wie Spinnfäden wirkenden Carbon-Hänger lediglich 1.675 Kilogramm bei. Im Gegensatz zu einer klassischen Stabbogenbrücke mit vertikalen Hängern überkreuzen sich die schräg angeordneten Aufhängungen, wodurch der Eindruck eines feinen Seilnetzes entsteht. Für Eisenbahnbrücken ist es besonders von Bedeutung, dass sich eine Netzwerk-Bogenbrücke im Vergleich zu Stabbogenbrücken mit vertikalen Hängern weniger durchbiegt, wodurch sich die Schienen unter der Last eines Zugs weniger verkrümmen können. Um das neuartige Material zu testen, musste innerhalb weniger Monate die Belastung von 100 Jahren Bahnbetrieb mit mehr als 11 Millionen Überfahrten simuliert werden.


25. Mai 2020
Der an der TU Graz entwickelte 3D-Drucker, © TU Graz

LED statt Laser. Neues Verfahren für 3D-Metalldruck

Eine an der TU Graz entwickelte Technologie nutzt LED- statt Laserquellen zur additiven Fertigung von Metallteilen und optimiert auf diese Weise den 3D-Metalldruck hinsichtlich Bauzeit, Metallpulververbrauch, Gerätekosten und Nachbearbeitungsaufwand. Selective LED based Melting (SLEDM) – also das gezielte Schmelzen von Metallpulver mittels Hochleistungs-LED-Lichtquellen – nennt sich die neue Technologie, die ein Team um Franz Haas, den Leiter des Instituts für Fertigungstechnik der TU Graz, entwickelt und zum Patent angemeldet hat. Die Technologie ähnelt dem Selektiven Laser- oder Elektronenstrahlschmelzen, bei dem Metallpulver aufgeschmolzen und schichtweise zu einem Bauteil aufgebaut wird. Das neue Verfahren soll zwei zentrale Probleme beheben: die zeitintensive Produktion großvolumiger Metallbauteile und die aufwendige manuelle Nachbearbeitung. Mithilfe des Verfahrens sollen beispielsweise bioresorbierbare Metall-Implantate produziert werden, vorzugsweise Schrauben, die aus Magnesium-Legierungen bestehen und bei Knochenbrüchen eingesetzt werden. Diese Implantate lösen sich im Körper auf, nachdem die Bruchstelle zusammengewachsen ist, wodurch eine zweite Operation überflüssig wird. Eine Produktion solcher Implantate wäre dank SLEDM direkt im OP-Saal möglich, denn, so Haas, „ein LED-Licht ist für den OP-Betrieb naturgemäß weniger gefährlich als eine leistungsstarke Laserquelle“. Ein weiterer Anwendungsschwerpunkt liege in der nachhaltigen Mobilität, konkret in der Fertigung von Bauteilen wie Bipolarplatten für Brennstoffzellen oder Komponenten für Batteriesysteme.


25. Mai 2020
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Licht im Produkt: Funktion – Ästhetik – Emotion

Die Entwicklung komplexer und multifunktionaler Produkte stellt Gestalter vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Licht kann dabei helfen, hier gute Lösungen zu finden. Licht gibt Orientierung, erzeugt Atmosphäre, bietet Komfort und setzt Akzente. Es erleichtert intuitive Bedienung, ermöglicht Kommunikation und prägt Identität. Licht schafft funktionalen Mehrwert und verleiht einem Produkt eine emotionale Dimension. Bemerkenswert ist dabei die Verbindung eher praktischer Nutzenaspekte mit dem Aspekt der Emotion und der besonderen Ästhetik, die Licht einem Produkt verleiht.

Inspirierende Beispiele dafür finden sich in der Interieurbeleuchtung moderner PKWs wie dem Q2 von Audi. Hier verbinden sich funktionale Gesichtspunkte wie eine gute Orientierung mit Aspekten wie Ambiente, Wohlfühlen und Wertigkeit oder aber dem Wunsch nach einer individuellen Beleuchtung, die auf die Vorlieben des jeweiligen Fahrers eingestellt werden kann. Mehr Beispiele für die innovative Nutzung von Licht im Produktdesign und viele weitere Informationen rund um dieses Thema finden Sie bei MENTOR.


25. Mai 2020
Imagined, for uncertain times: Companions, Chair, Yeon JinYoung & stool, soft-geometry, © Imagined

Imagined, for uncertain times. Virtuelle Ausstellung von elf Designstudios

Was wäre, wenn …? Wenn wir als Zeitgenossen aus allen Winkeln der Erde zusammenkämen und unsere Arbeit dazu nützten, eine globale Gemeinschaft aufzubauen, uns von einander zu erzählen, gemeinsam Dinge zu schaffen und uns mit unserem Publikum zu verbinden? Utharaa Zacharias und Palaash Chaudhary des Designstudios soft-geometry bewegte die Frage während des Lockdowns in Kalifornien, also schrieben sie an andere Designer, die sie anregend fanden, zu denen sie bisher aber keinen Kontakt hatten. Die Antworten, so heißt es, waren positiv und herzerwärmend. In der Folge entstand unter dem Titel Imagined, for uncertain times eine gemeinsam initiierte virtuelle Ausstellung von elf Designstudios aus neun Ländern, die den unsicheren Zeiten mit Design und Optimismus entgegenwirken möchte. Die Kreativen versammeln Ideen, Bilder und Gedanken zu aktuellen Fragen und Themen. Yeon JinYoung aus Seoul etwa zeigt einen Stuhl aus Aluminium, einem Material, das abgelehnt und dessen Verwendung kritisiert werde. Supertoys Supertoys aus den Niederlanden präsentieren ein „Cosmic Flower Table“. Das Designstudio soft-geometry hat einen Hocker aus Löchern entwickelt, die zusammenhalten, und Serban Ionescu mit „Poe“ ein Objekt entworfen, dessen Funktion und Bedeutung bewusst geheimnisvoll bleibt. Sämtlich Ideen, die das Gemeinschaftsgefühl stärken oder Chancen ausloten wollen. Laurids Gallée zum Beispiel, ein in Rotterdam lebender Designer aus Österreich, liebt die aktuelle Situation und stellt fest: „Keiner weiß was in einer Woche passieren wird, alles, was zählt ereignet sich heute. Gerade jetzt kann man von Augenblick zu Augenblick leben.“


25. Mai 2020
Ora ïto vor der von ihm gestalteten Straßenbahn für Nizza, © Ora ïto, Alstom

Ora ïto gestaltet neue Metro Aix-Marseille-Provence

Der französische Designer Ora ïto, dessen Arbeiten in den vergangenen Jahren viel Beachtung gefunden haben, wird in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Alstom für die Metropolregion Aix-Marseille-Provence eine neue Metro entwerfen, die 2024 in Betrieb genommen werden soll. Der Zughersteller Alstom und der Designer haben vor einigen Jahren bereits beim Bau neuer Straßenbahnen für Nizza kooperiert. In ihrer weichen rechteckigen Form belegen die neuen Züge Ora ïtos Konzept der „simplexity“ und verkörpern perfekt seine technofuturistischen Vorstellungen. Die Idee dahinter ist, dass die Züge keine aerodynamische Form nachzuahmen brauchen: „Die Herausforderung“, so der Designer, „liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern in einer friedlichen Bewegung, in Sicherheit und Energieeinsparung“. Der quadratische Querschnitt der Züge soll besonders viel Raum für die Passagiere bieten; die Lösungen von Alstom für gummibereifte Züge sollen Komfort, Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Fahrgastinformation erhöhen und die Wartung erleichtern. Die vierteiligen Züge, die bis zu 500 Passagiere vollautomatisch befördern können, sind 65 Meter lang und mit durchgehend begehbaren Wagen ausgestattet.


18. Mai 2020
Anteil der betroffenen Unternehmen im Vergleich zu den Vorjahren, © VDMA

Neue Studie. Produktpiraterie schädigt Maschinenbau in Milliardenhöhe

Innovationen werden für Unternehmen immer wichtiger. Auch wenn Plagiate im Bereich des Maschinenbaus nicht im selben Maße öffentlich sichtbar werden wie bei Konsumgütern, so entsteht den Unternehmen der Branche durch Produkt- und Markenpiraterie doch ein Milliardenschaden, der in den beiden vergangenen Jahren sogar noch größer geworden ist. Laut der aktuellen Studie „Produktpiraterie 2020“ des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist der jährliche Schaden inzwischen auf 7,6 Milliarden Euro gewachsen; 2018 waren es noch 7,3 Milliarden Euro. Erschreckend dabei sei, so Steffen Zimmermann, Leiter VDMA Competence Center Industrial Security, „dass 57% der Unternehmen von Fälschungen berichten, die eine Gefahr für die Anlage darstellen“. Das zeige, dass es sich bei Plagiaten nicht um Kavaliersdelikte handle. Der VDMA befragt seine Mitgliedsfirmen alle zwei Jahre zu den Bedrohungen und Auswirkungen von Fälschungen. In der aktuellen Studie, die im Auftrag des Verbandes vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC erstellt wurde, gaben 74% der Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein; bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern erreichte der Anteil sogar 90%. Beides sind neue Höchstwerte. Als wichtigstes Vertriebsland für Plagiate wird die Volksrepublik China genannt (61%), gefolgt von Deutschland (19%) und Russland (12%). Als Auftraggeber nennen 72% die Wettbewerber; 41% sehen Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner als Ausgangspunkt von Fälschungen. Am Häufigsten werden einzelne Teile gefälscht (64%), gefolgt von Designplagiaten (60%). Auch komplett gefälschte Maschinen werden auf den Markt gebracht (40%). Wenig Hoffnung haben die Unternehmen, den entstandenen Schaden mit Hilfe von Klagen erstattet zu bekommen: Nur 26% leiten überhaupt ein zivilgerichtliches Verfahren ein. Rund die Hälfte der Befragten verzichtet komplett auf juristische Maßnahmen.


18. Mai 2020
Foto: Mikko Raskinen/Aalto

Weniger Energie und Wasser verbrauchen. Innovatives Gewächshauskonzept

Gewächshäuser aus Glas haben in Ländern mit rauem Klima einen wesentlichen Nachteil: sie sind nicht sonderlich effizient. Im Sommer wird es in ihnen aufgrund ihrer schlechten Isolierung schnell zu heiß und sie müssen entlüftet werden; im Winter dagegen muss aufgrund der großen Glasflächen permanent beheizt werden. Pflanzen wie beispielsweise Gurken wachsen aber am besten bei einer konstanten Temperatur von 27 Grad Celsius. „Das Problem mit Sonnenlicht ist, dass es entweder zu viel oder zu wenig davon gibt“, fasst Pasi Herranen zusammen, der gemeinsam mit einem Team der finnischen Aalto Universität ein innovatives Gewächshauskonzept entwickelt hat. Anders als konventionelle Gewächshäuser aus Glas oder Folie besteht es aus Sperrholz und besitzt weder Fenster noch Heizung. Durch extrem gut isolierte Wände werden Energie und Wasser eingespart. Die 36 Zentimeter dicken, in Vakuum getrockneten Sperrholzwände sind, um eine entsprechende Luftundurchlässigkeit zu gewährleisten, mit einer schwarzen Gummimasse überzogen und mit Aluminium verkleidet, um eine Oberfläche zu schaffen, die Licht in Richtung der Pflanzen reflektiert – ideal für vertikalen Anbau. Mittels LEDs lassen sich sowohl die Menge des Lichts als auch dessen Wellenlänge so regulieren, dass das Pflanzenwachstum ohne zusätzliche Heizung gefördert wird – selbst während des frostigen finnischen Winters. Das Gewächshaus verbrauche dort übers Jahr etwa 50% weniger Energie als ein konventionelles aus Glas und könne sogar noch Wärme abgeben. Der Wasserverbrauch liege 99% unter dem traditioneller Anbaumethoden. Herranen hat die Wandmodule ursprünglich für Büro- und Wohngebäude entwickelt. Dass sie sich auch für Gewächshausanbau eignen, hat er per Zufall entdeckt, als er einen Artikel über Gurken las.


18. Mai 2020
Vision eines europäischen Hyperloop-Tunnels, © Hardt Hyperloop

Durch die Röhre jetten. Teilstück eines europäischen Hyperloop-Systems fertiggestellt

Das niederländische Start-up Hardt hat das erste funktionstüchtige Hyperloop-System in Europa entwickelt. Nach einer zweijährigen Testphase ist ein 30 Meter langes Teilstück des Systems fertiggestellt worden. Ziel des Projekts ist es, Amsterdam per Hyperloop in Höchstgeschwindigkeit mit niederländischen und europäischen Nachbarstädten zu verbinden. Nach einer von der Provinz Noord-Holland in Auftrag gegebenen Studie über den Bau eines Pipeline-Netzes, könnte dieses aus fünf Strecken bestehen, die bis 2040 voll ausgelastet sein sollen: Die erste führt von Amsterdam nach Leiden und Den Haag, eine zweite bis nach Paris und Brüssel. Wenn die Routen drei und vier bis nach Duisburg und Düsseldorf führen, könnten Fahrgäste in nur 30 Minuten Fahrtzeit von Amsterdam nach Düsseldorf reisen. Eine weitere Strecke soll von Amsterdam nach Almere, Lelystad, Zwolle und Groningen führen. In den kommenden Jahren soll in Groningen ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einem drei Kilometer langen Tunnel aufgebaut werden, um die Technologie testen zu können. Mit einer funktionsreifen Hyperloop-Technologie würde eine nachhaltige Alternative zu Kurzstreckenflügen oder Zugfahrten entstehen.


18. Mai 2020
Enzyme machen aus Polymeren Monomere, © Carbios

Enzym spaltet PET auf. Innovatives Verfahren zum Kunststoffrecycling vorgestellt

Plastikabfälle sind ein globales Umweltproblem. Jedes Jahr fallen weltweit rund 359 Millionen Tonnen an, werden auf Deponien gelagert, verbrannt oder unkontrolliert in die Umwelt gekippt. Ein bedeutender Mitverursacher des Problems ist mit 70 Millionen Tonnen Polyethylenterephthalat, kurz PET, das zur Herstellung von Plastikflaschen weit verbreitet ist und sich nur schwer recyceln lässt. Nun hat das französische Cleantech-Start-up Carbios in der Zeitschrift Nature einen Recycling-Prozess für Kunststoffabfälle vorgestellt und den Bau einer Demonstrationsanlage angekündigt. Alain Marty und seine Kollegen berichten, dass sie ein Enzym entwickelt haben, das PET effizient in seine Monomer-Bestandteile aufspalten kann. Das vielversprechende Recyclingverfahren ist das Ergebnis einer fünfjährigen Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung zwischen Carbios und dem Biotechnologie-Institut Toulouse. Das Start-up hat bereits 12 Patente angemeldet und eine Pilotanlage in Clermont-Ferrand errichtet. In dieser werden die gebrauchten Flaschen zerkleinert, in einem Tank mit Wasser vermischt und anschließend mit den Enzymen angereichert. Diese spalten das PET innerhalb von wenigen Stunden in seine Bestandteile auf. Die auf diese Weise gewonnenen gereinigten Monomere haben die gleichen Eigenschaften wie frisch aus petrochemischen Rohstoffen gewonnene Monomere und können somit abermals zur Herstellung von Flaschen verwendet werden. Das innovative Verfahren könnte den Weg für eine PET-basierte Kreislaufwirtschaft ebnen. Im Juni soll die industrielle Inbetriebnahme mit dem Bau einer Demonstrationsanlage in Saint-Fons, südlich von Lyon, auf dem Gelände des Clusters Vallée de la Chimie erfolgen. Carbios wird dabei von einigen der wichtigsten Kunststoffverbrauchern wie L’Oréal, Pepsico, Nestlé Waters und Orangina Schweppes unterstützt.


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